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Jubiläumsfeier mit Eröffnung der neu errichteten „Bronchoskopie am LKH Hörgas-Enzenbach

10.10.2016 von Steierm

Jubiläumsfeier mit Eröffnung der neu errichteten „Bronchoskopie“: 100 Jahre LKH Enzenbach

Die Lungenabteilung Enzenbach wurde zur Jahrhundertwende erbaut und diente vormals der Pflege und Heilung der Tuberkulosepatienten als Lungenheilstätte. Mit dem Rückgang der Tuberkulosefälle wurde das Haus in ein Akutspital für Erkrankungen der Lungen und Atemwege umgewidmet. In der Folge wurde Enzenbach als pulmologisches Zentrum der Stadt Graz und der Steiermark Süd ausgebaut und modernisiert. Seit 1916 - also seit 100 Jahren - werden hier Patientinnen und Patienten behandelt und geheilt.

Erste Planungen gab es bereits 1909, aus gutem Grund: 1906 waren ca. 9.000 Personen in der Steiermark an Tuberkulose erkrankt und 3.432 starben daran. Durch wiederholte Aufrufe von Peter Rosegger in seiner Monatszeitschrift „Heimgarten" konnte die finanzielle Gebarung durch den privaten „Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in der Steiermark" mit Spenden gesichert werden. 1913 erfolgte der Baubeginn der Tuberkuloseheilstätte Enzenbach. Mitte 1915 waren sämtliche Betten durch Tuberkulosekranke der K. & K.-Armee belegt und die Bettenkapazität wurde auf 270 erhöht. Anstelle von 137 Betten in der Tuberkuloseheilanstalt Hörgas und 151 Betten in der Heilanstalt Enzenbach (insgesamt 288 Betten) wurden im März 1915 durch raschen Zubau von Liegebaracken 400 Betten geschaffen. Erst ab 1916 stand Enzenbach auch für die Behandlung von Zivilpersonen zur Verfügung.

Übernahme durch das Land Steiermark
1919 wurden die beiden Heilstätten vom Land Steiermark übernommen, da der private Tuberkuloseverein die Finanzierung nicht mehr sichern konnte. Da Männer sowohl damals wie auch heute viel häufiger an TBC erkrankten, wurde das größere Haus Enzenbach eine Heilstätte für Männer und Hörgas eine Heilstätte für Frauen und Kinder. Seit ihrer Existenz sind beide Häuser der wichtigste Arbeitgeber in dieser Region.
Durch Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen, durch Schutzimpfungen, Röntgenreihenuntersuchungen und vor allem durch die Entwicklung von TBC-wirksamen Antibiotika konnte die Tuberkulose nach dem 2. Weltkrieg zurückgedrängt werden und die Heilstätten konnten sich auch anderen Lungenkrankheiten widmen. 1959 wurden Hörgas und Enzenbach zu Landes-Lungenkrankenhäusern und wurden in die Akutversorgung der Bevölkerung eingebunden.
Aufgrund des weiteren Rückgang der Tuberkulose entschloss sich die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes), das LKH Hörgas zu einer Abteilung für Innere Medizin umzuwidmen. 2002 wurde dort auch eine Station für Akutgeriatrie und Remobilisation errichtet. Enzenbach blieb weiterhin mit 147 Betten die größte Lungenabteilung der Steiermark und wurde zu einem pulmologischen Zentrum ausgebaut.

Enzenbach heute
In 69 Betten werden - bezogen auf die vollständigen Daten des Jahres 2015 - 3.572 stationäre Fälle und 2.097 ambulante Fälle behandelt. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 5,8 Tage. Ein professionelles Team aus FachärztInnen für Lungenkrankheiten, ÄrztInnen in Fachausbildung, StationsärztInnen, TurnusärztInnen, ÄrztInnen in Basisausbildung sowie medizinisch-technischem Personal (Physiotherapie, Ergotherapie, RTA, BMA, MTF), eine klinische Psychologin, Dipl. Pflegepersonal und PflegehelferInnen steht 24-Stunden für die Behandlung und Betreuung der PatientInnen zur Verfügung.
Neben der Diagnostik und Behandlung des gesamten Spektrums der Lungenerkrankungen haben sich in den letzten 20 Jahren besondere Schwerpunkte herauskristallisiert, welche Enzenbach zu einer Steiermark weit einzigartigen Abteilung machten.
Ärztlicher Direktor ist Primarius Dr. Bernd Bauer, Pflegedirektorin Monika Pisleritsch, MSc, Betriebsdirektorin Gabriele Maierhofer, Abteilungsvorstand am LKH Enzenbach ist Primarius Dr. Gert Wurzinger.

Pneumologische Intensivstation:
Die pneumologische Intensivstation wurde 1997 eröffnet und dient zur Behandlung von Patienten mit schweren, intensivpflichtigen Erkrankungen der Lungen, des Brustkorbs und der Atemwege. Sie ist die einzige Intensivstation der Steiermark mit Spezialisierung auf Beatmungsmedizin bei Multiorganversagen. Daher gibt es Zuweisungen von Patienten aus Intensivstationen beinahe aller Krankenhäuser der Steiermark zur Entwöhnung von der maschinellen Beatmung. Schwerpunkte sind u.a. akutes Lungenversagen (ARDS), Septisches Lungen-Nierenversagen, COPD, Asthma, schwere kardiorespiratorische Erkrankungen.

Respiratory Care Unit
Die Respiratory Care Unit wurde 2004 als Spezialstation zur Behandlung von Patienten mit „Monoorganversagen der Atmung" eröffnet. Schwerpunkte sind Umstellung der Intensivpatienten auf nichtinvasive Maskenüberdruckbeatmung, aber auch Einstellung auf Heim-Respiratorbehandlung, wenn eine Entwöhnung nicht möglich ist. Weiteres Aufgabengebiet sind die Beatmungskontrollen und die Akutbehandlung von invasiv beatmeten Patienten mit Atemwegsinfekten.

Schlaflabor
Das Schlaflabor in Enzenbach wurde als eines der ersten Schlaflabore der Steiermark 1992 eröffnet. Entwicklung eines flächendeckenden Untersuchungsnetzes mit Screening-Untersuchung bei Verdacht auf schlafbezogene Atemerkrankungen (z.B. Schlaf-Apnoe-Syndrom) durch sämtliche niedergelassene steirische LungenfachärztInnen und Weiterzuweisung zur umfassenden Diagnostik und Behandlung an ein zertifiziertes Schlaflabor. Dadurch konnte die Effektivität des Schlaflabors von 10 % auf 85 % zur Behandlung von Schlaf-Apnoe-Patienten gesteigert werden. Dieses System hat sich mittlerweile auf alle Bundesländer Österreichs ausgeweitet und findet sich auch in großen Teilen anderer europäischer Länder.

Tuberkulosestation
Die Tuberkulosestation in Enzenbach wurde 2011 als modernste Tuberkuloseabteilung Europas eröffnet. Enzenbach verfügt über ein spezielles Tuberkuloselabor zum raschen Keimnachweis und zum Nachweis von TBC-Infektionen aus dem Blut. (2015: 1.360 Blutbestimmungen auf TBC-Infektion). Seit Eröffnung der TBC-Station werden jährlich 60 - 80 Patienten mit TBC-Erkrankung behandelt, teilweise mit multiresistenten oder extensiv resistenten Keimen. Die Baukosten für die TBC-Station betrugen 4 Millionen Euro.

Bronchoskopieeinheit
Die neue Bronchoskopieeinheit wurde bereits im Mai 2016 in Betrieb genommen. Nach Rationalisierung des gesamten Bettenmanagements der Abteilung konnte ein gesamter Stationstrakt eingespart und für invasive Diagnostik des Brustkorbs umgebaut werden. Im Rahmen der Jubiläumsfeier wird diese neue Bronchoskopieeinheit nun offiziell „eingeweiht".
Die Baukosten belaufen sich auf 990.000 Euro, die Bauzeit betrug 16 Monate.

Allgemeinpulmologische Ambulanz
Die allgemeinpulmologische Abteilung dient der ambulanten Nachsorge und der regionalen Patientenversorgung mit dem gesamten ambulanten pneumologischen und allergologischen Leistungsspektrum.

Onkologische Ambulanz
Die onkologische Ambulanz steht der Behandlung von Patienten mit Bronchuskarzinomen inklusive Chemo- und Antikörpertherapie offen. Zusätzlich steht eine Psychologin mit psychotherapeutischer und psychoonkologischer Ausbildung zur Patientenbetreuung zur Verfügung.

Physio- und Ergotherapie
Ein weiterer Schwerpunkt in der Behandlung liegt in der Physio- und Ergotherapie von chronischen Atemwegserkrankungen und von Lungenentzündungen zur Verkürzung der Aufenthaltsdauer und Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität. Diese Behandlung beginnt schon zum Zeitpunkt der Aufnahme auf der Intensivstation. Zudem wurde in Enzenbach 2016 ein aufwendiger Videofilm gedreht, welcher österreichweit zur Schulung von COPD-Patienten verwendet wird. Übrigens: Enzenbach ist die erste Lungenabteilung, an der eine Ergotherapie angeboten wird!

Am festlichen Anlass nahmen u.a. Landeshauptmannstellvertreter Mag. Michael Schickhofer, Gesundheitslandesrat Mag. Christopher Drexler, Bezirkshauptmann Hofrat DDr. Burkard Thierrichter, die KAGes-Vorstände, Vorstandsvorsitzender Univ. Prof. Dr. KH. Tscheliessnigg und KAGes-Vorstand für Finanzen und Technik Dipl. KHBW Ernst Fartek, MBA, Regionalvorsitzender der KAGes-Region Süd-Ost, Betriebsdirektor: Dipl. KHBW. Bernhard Haas, MBA, und Pater Benedikt Fink von Stift Rein teil.

Bild: v.l.: Ärztlicher Direktor Primarius Dr. Bernd Bauer, Bürgermeister der Gemeinde Judendorf-Straßengel und Gratwein Harald Mulle, Landesrat Mag. Christopher Drexler, KAGes-Vorstand für Finanzen und Technik Dipl. KHBW Ernst Fartek, MBA, Betriebsdirektorin Gabriele Maierhofer, Landeshauptmannstellvertreter Mag. Michael Schickhofer, Pflegedirektorin Monika Pisleritsch, MSc, KAGes-Vorstandsvorsitzender Univ.Prof.Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, Abteilungsvorstand Primarius Dr. Gert Wurzinger (© KAGes/Gubisch)

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