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Gemeinsames Projekt von Gesundheitsfonds, Rotem Kreuz und steirischen Spitälern

01.08.2016 von Steierm

Gemeinsames Projekt von Gesundheitsfonds, Rotem Kreuz und steirischen Spitälern: „Virtuelle EBA“ bringt Patienten zielgenau ins richtige Krankenhaus

Als Ludmilla K. eines Nachmittags ihre Mutter, eine rüstige Pensionistin, besucht, fällt ihr auf, dass diese undeutlich spricht und desorientiert zu sein scheint. Die rasch alarmierte Rettung fährt mit der Patientin mit Verdacht auf einen Schlaganfall in das nächstgelegene Krankenhaus. Dort kann man aber keine Schlaganfalldiagnostik durchführen, da der Computertomograph gerade Servicearbeiten unterzogen wird und außer Betrieb ist. Die Rettung wird weiter in das nächstgelegene Krankenhaus mit einer Abteilung für Neurologie dirigiert. Der Zeitverlust, der bei einem Schlaganfall, wie auch bei jedem anderen Notfall, erhebliche Bedeutung für die Heilungs- oder Überlebenschancen haben kann, ist beträchtlich.

Geht es nach dem steirischen Gesundheitsfonds, dem Roten Kreuz und der KAGes sollen Patientenschicksale wie das geschilderte ab August in der Steiermark der Vergangenheit angehören. Durch die Einführung eines speziellen EDV-gesteuerten Programmes namens „virtuelle EBA*", das einerseits die Leitstelle und die Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes, andererseits alle Standorte der KAGes, der Ordensspitäler und die Unfallkrankenhäuser miteinander verbindet, soll die möglichst rasche Aufnahme aller Notfälle im „nächstgelegenen, geeigneten Krankenhaus" (so auch die Definition der Sozialversicherungen) garantiert werden.

In einem ersten Schritt wurden von allen Krankenhäusern die Betriebszeiten der einzelnen Fachgebiete und diagnostischen Geräte erhoben, im zweiten Schritt wurde das Diagnosespektrum festgelegt, das grundsätzlich behandelt werden kann. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass ein Patient genau in jenes Krankenhaus kommt, in dem sein Fall zum aktuellen Zeitpunkt am besten behandelt werden kann, also sowohl räumliche, medizin¬technische und personelle Ressourcen im notwendigen Ausmaß zur Verfügung stellen kann.

Sollte, wie im angeführten Beispiel eine Ambulanz überlastet sein, ein Gerät aus technischen Gründen ausfallen oder das Zusammentreffen von mehreren Notfällen alle Ressourcen binden, ist es jedem Krankenhaus möglich, diese Ressource abzumelden und dem Rettungsdienst zu signalisieren, dass die entsprechende Versorgungsmöglichkeit im Moment nicht gegeben ist.

Eine zusätzliche Funktion des Programmes ermöglicht außerdem die frühzeitige „Anmeldung" der im Rettungsfahrzeug transportierten Person im anvisierten Krankenhaus mit Vorabübermittlung der Daten wie Alter, Geschlecht, Behandlungsdringlichkeit und Diagnose.

Das implementierte Programm wurde von der Firma mainis aus Frankfurt angekauft, wo dieses Leitsystem unter der Bezeichnung IVENA (interdisziplinärer Versorgungsnachweis) ebenso wie in München bereits seit längerer Zeit erfolgreich in Betrieb ist. Die an die steirischen Bedürfnisse adaptierte Programmversion wird unter dem Titel „Virtuelle EBA" geführt.
Das System ist ab sofort in allen steirischen Krankenhäusern verfügbar und in allen Rettungsautos installiert. Ab 1. August 2016 startet der Probebetrieb. Es handelt sich dabei um einen Vollbetrieb, bei dem mit erhöhter Wachsamkeit aller Benutzererfahrungen gesammelt werden und in der Folge Nachschärfungen vorgenommen werden. Nach einem Probebetrieb von drei Monaten wird das System voraussichtlich ab 1. November 2016 in den Regelbetrieb übernommen. Zusammenfassend ist klar: Ziel dieser „virtuellen EBA" ist, Patienten und Patientinnen auf dem Weg ins Krankenhaus unnötige „Irrfahrten" zu ersparen und somit oft wertvolle Zeit zu gewinnen.

* (EBA ist die Notaufnahme im Krankenhaus und bedeutet „Erstuntersuchung-Beobachtung-Aufnahme")

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