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VADE MEQuM  -  Fachchinesisch für Praktiker

von Herbert Stekel

Die Definitionen in dieser Rubrik sollen Hilfe bieten und Ihnen an Hand von Beispielen Klarheit in die Begriffsvielfalt bringen. Unser VADE MEQuM wird bei jeder Ausgabe um aktuelle Begriffe erweitert. Gerne nehmen wir Ihre Anregung auf, Begriffe, über die Sie gestolpert sind, im VADE MEQuM zu definieren. Senden Sie uns Ihren Begriff!

 

Ablauforganisation

Auch als Prozessorganisation oder funktionale Organisation bezeichnet. Beschäftigt sich mit der Frage, wie und womit Aufgaben und Tätigkeiten erfüllt werden. Wird in modernen Organisationsmodellen als Grundlage für die Aufbauorganisation (>) gesehen.

Accreditation

Wird im Englischen (französisch: accrèditation) als Entsprechung des deutschen Begriffs Zertifizierung verwendet. Obwohl z. B. die amerikanische Joint Commission on Accreditation of Health Care Organizations (JCAHCO) ihrem Wesen nach Gesundheitseinrichtungen zertifiziert, wird dieser Vorgang also im Englischen als accreditation bezeichnet!
Der Begriff der Akkreditierung ist hingegen in Österreich im Akkreditierungsgesetz (>) geregelt.

Aerztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (äzq)

Das ÄZQ (Deutschland) koordiniert die Arbeit der ärztlichen Spitzenorganisationen auf dem Gebiet der Qualitätssicherung. Umfangreiche Homepage.
Ziele des ÄZQ sind die Koordination der Arbeit der ärztlichen Spitzenorganisationen auf dem Gebiet der Qualitätssicherung, die wirksame und einheitliche Entwicklung und Ausführung der Qualitätssicherung der ärztlichen  Berufsausübung, die Berücksichtigung der Interessen der Patienten und die Kooperation mit Krankenkassen und  Krankenhausverbänden.
Zweck des ÄZQ ist die Beratung und Unterstützung der Gesellschafter (Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung) bei ihren gesetzlichen und satzungsgemäßen gemeinsamen Aufgaben der Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung.

Der Schwerpunkt der Aufgaben liegt in der Beratung/Unterstützung von BÄK und KBV bei ihren gemeinsamen Aufgaben der Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung, Vorbereitung gemeinsamer Empfehlungen, Regelungen, Stellungnahmen von BÄK und KBV, Unterstützung von Ärztekammern, Kassenärztlichen Vereinigungen bei  Qualitätssicherungsprogrammen, Beurteilung und Vorbereitung von wissenschaftlich begründeten und praktisch anwendbaren  Leitlinien und Richtlinien für die ärztliche Tätigkeit in der ambulanten und stationären Versorgung unter Berücksichtigung des  Wirtschaftlichkeitsgebotes.

AFQM

Austrian Foundation for Quality Management. Vergibt seit 1996 den Austrian Quality Award (AQA). Die AFQM ist ein gemeinnütziger Verein, der von sieben österreichischen Organisationen gegründet wurde.

Akkreditierung

Erteilung der Befugnis für die Tätigkeiten der Prüfung, Überwachung und Zertifizierung. Aus der Akkreditierung leitet sich also eine Berechtigung, bestimmt Dinge zu tun, ab.

Akkreditierungsgesetz

Österreichisches Bundesgesetz, dass die Befugnis für Vereine, Personen, Gesellschaften etc. zur Zertifizierung von Betrieben, Einrichtungen u.ä. nach definierten Normen ausspricht. Durch die frühe Einführung eines Akkreditierungsgesetzes in Österreich wurde die in anderen Ländern sehr wesentliche Frage: „Wer zertifiziert die Zertifizierer?“ beantwortet: das Wirtschaftsministerium.

AQA

Austrian Quality Award. Qualitätspreis, der nach dem (>) EFQM-Modell vergeben wird. 1999 wurde der AQA mit dem STAATSPREIS QUALITÄT des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit vereint und wird seither „AQA – DER ÖSTERREICHISCHE QUALITÄTSPREIS“ bezeichnet. Er wird ebenso wie der EQA in mehreren Kategorien vergeben.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)

In der deutschen AWMF sind derzeit 143 wissenschaftliche Fachgesellschaften aus allen Bereichen der Medizin zusammengeschlossen. Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hat die AWMF in seinem Sondergutachten 1995 gebeten, die Entwicklung von Standards, Richtlinien, Leitlinien und Empfehlungen der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften voranzutreiben und zu koordinieren. Die Fachgesellschaften in der AWMF haben diese Aufgabe angenommen und begonnen, Leitlinien zu entwickeln. Die AWMF verfügt über eine Leitlinienkommission.

Assessor

Ausgebildeter Bewerter nach dem EFQM-Modell. Im Rahmen der Selbstbewertung können weitere innerbetriebliche Assessoren durch ausgebildete Assessoren eingeschult werden.

Audit

Systematische Überprüfung von Qualitätsdokumenten (Dokumente zum Nachweis qualitätsrelevanter Inhalte) und Tätigkeiten. Audits können sowohl extern (im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens) als auch intern (als Maßnahme der ständigen Qualitätsverbesserung) erfolgen.

Aufbauorganisation

Auch als Struktur oder institutionelle Organisation bezeichnet. Gibt Antworten auf die Frage, wer wofür zuständig ist oder besser: wer was macht. Hatte früher (in manchen Organisationen auch heute noch) Priorität vor der Ablauforganisation (>).

Bedarfserhebung

Abschnitt im GP (>), in dem der Bedarf des Kunden (medizinisch: Patienten) erhoben wird = Diagnose

Behandlungspfade (klinische Pfade, Patientenpfade, Clinical Pathways)

Sind multidisziplinäre Prozessbeschreibungen zur optimalen klinischen Behandlung bestimmter Patientengruppen mit einer klar definierten Diagnose, welche die Koordination und die Ausführung hochqualitativer Patientenversorgung unterstützen.

Klinische Pfade sollten in der Lage sein, die Versorgung von 60-70% der Patienten mit gleicher Diagnose, gleichem Versorgungsprocedere oder gleichen Symptomen zu standardisieren.

Beinahefehler - Near miss

Fehlerkategorie aus der Luftfahrt – der beinahe stattgefundene Zusammenstoß.
Durch Analyse dieser Fehlerkategorie und entsprechende Maßnahmen können ähnliche Fehler vermieden werden. Voraussetzung ist ein Berichtswesen, das diese Fehler erfasst.

Bottom-up-Ansatz

Hier werden die relevanten Informationen (Motive, Ziele, Rahmenbedingungen, Lösungsansätze) beginnend mit der untersten hierarchischen Ebene gesammelt und dann von Ebene zu Ebene verdichtet.

CEN

Europäisches Komitee für Normung (Comité Européen de Normalisation)

Certification

Dieser englische Ausdruck bezeichnet allein schon die Ausstellung einer Urkunde, einer Anerkennung oder eines Zeugnisses (certificate) und entspricht nicht dem deutschen Begriff (>) Zertifizierung (> Accreditation). Es passieren leider immer wieder dahingehend Übersetzungsfehler, dass „certificate“ als „Zertifikat“ übernommen wird!

Clinical Pathways (Klinische Pfade, Behandlungspfade, Patientenpfade)

Sind multidisziplinäre Prozessbeschreibungen zur optimalen klinischen Behandlung bestimmter Patientengruppen mit einer klar definierten Diagnose, welche die Koordination und die Ausführung hochqualitativer Patientenversorgung unterstützen.

Klinische Pfade sollten in der Lage sein, die Versorgung von 60-70% der Patienten mit gleicher Diagnose, gleichem Versorgungsprocedere oder gleichen Symptomen zu standardisieren.

Cochrane Collaboration Deutschland

Die Cochrane Collaboration ist ein weltweites Netz von Wissenschaftlern und Ärzten.
Ziel ist, systematische Übersichtsarbeiten zur  Bewertung von Therapien zu erstellen, aktuell zu halten und zu verbreiten.
Als Basis gelten alle zur Verfügung stehenden Daten (nach Möglichkeit aus randomisierten Studien) zu einer Fragestellung, damit ein objektives Bild zu einer Therapie gezeichnet werden  kann. Die Reviews werden von Review-Gruppen verfasst, die problemorientiert (z.B. Mamma-Karzinom), interventionsbasiert (z.B.  Ernährung) oder an Bereichen der medizinischen Versorgung (z.B. Primärversorgung) orientiert sein können. Die Mitarbeit in einer  Review-Gruppe ist unabhängig von lokalen Verhältnissen, gewünscht ist eine internationale Zusammensetzung. Jede Gruppe wird  von einem redaktionellen Team betreut, das für die Begutachtung und Veröffentlichung der erarbeiteten Übersichten als Teil der periodisch aktualisierten Cochrane-Datenbank systematischer Reviews verantwortlich ist.
Cochrane-Zentren existieren heute in  Adelaide, Amsterdam, Barcelona, Boston, Freiburg, Hamilton, Kapstadt, Kopenhagen, Mailand, Oxford, Providence, San Francisco  und São Paulo.

Deming-Cycle

Synonym: PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act), Shewart-Cycle
Kreislauf der ständigen Verbesserung von Systemen (auch Prozesse in Systemen) zur Optimierung der Produkte und Dienstleistungen. (vgl. Beitrag in QUALITAS 5/2003, Seite 13)

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM)

Das Netzwerk versteht sich als interdisziplinäres und multiprofessionelles Forum aller an der Thematik EbM Interessierten.
Die Ziele des Vereins sind: Bündelung aller Aktivitäten, die sich im deutschsprachigen Raum mit (>) evidenzbasierter Medizin bzw. (>) evidenzbasierter Gesundheitsversorgung beschäftigen, Förderung wissenschaftlicher und klinischer Tätigkeiten, Durchführung des Jahreskongresses, Durchführung von Train-the-Trainer-Seminaren auf dem Gebiet der Anwendung (>) evidenzbasierter Medizin, Durchführung von Lehrkonferenzen und Workshops. Umfangreiche Homepage mit vielen EbM-Links.

EFQM

European Foundation for Quality Management. Organisation mit Sitz in Brüssel, die von einer Reihe Großbetrieben gegründet wurde und den EQA (>) gegründet hat und vergibt. Nach Muster des EQA sind in praktisch allen europäischen Staaten Qualitätspreise ausgelobt worden (>AFQM, >AQA).

EFQM-Kriterien

Das Bewertungsmodell sieht 9 Kriterien vor. Die Kriterien 1 bis 5 bilden die Gruppe der „Befähiger“ (Führung, Politik und Strategie, Mitarbeiter, Ressourcen und Partnerschaften, Prozesse). Hier ist die Frage nach dem Vorgehen (WIE plant, handelt etc. die Organisation?) zu beantworten. Die Kriterien 6 bis 9 bilden die Gruppe der Ergebniskriterien (kundenbezogene Ergebnisse, mitarbeiterbezogene Ergebnisse, gesellschaftsbezogene Ergebnisse, Schlüsselergebnisse) und sind mit den Resultaten (WAS leistet die Organisation?) zu beantworten. Für das AFQM-Modell gelten dieselben Aussagen.

EFQM-Modell

Ein TQM-Modell auf Basis eines Qualitätspreises. Der Bewerber um den Preis beschreibt seine Organisation in einer nach den EFQM-Kriterien (>) gegliederten Darstellung. Nach einer Bewertung durch ein Team von Assessoren erfolgt bei entsprechender Punktezahl die Site-Visite (>) und die abschließende Preisvergabe durch eine Jury. Für das AFQM-Modell gelten dieselben Aussagen.

Einflussfaktoren

Um die verschiedenen Faktoren, die auf Prozesse Einfluss nehmen, besser handhabbar zu machen, wurde das 7-M-Modell entwickelt: Die 7 Ms, die Einflussfaktoren für Prozesse (>) darstellen, sind: Mensch, Methode, Mitwelt, Material, Management, Messung und Maschine. Bei der Gestaltung und Steuerung von Prozessen (>) sind diese Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Emotion im Team

Wer behauptet, innerhalb eines Teams sei es möglich, nur auf der Sachebene zu arbeiten, lügt. Entscheidend für die Teamkultur ist der Umgang mit Emotionen – eigenen und fremden.

EQA

European Quality Award. Ein europäischer Qualitätspreis, der auf dem (>) EFQM-Modell basiert. Er wird jährlich für mehrere Kategorien (Betriebe über 250 Mitarbeiter, kleine und mittlere Unternehmen = KMU) vergeben.

Evaluation (Evaluierung)

Bewertung der gefundenen bzw. erarbeiteten oder bereits umgesetzten Lösungen. Es geht in der Evaluation letztendlich um eine Planungs- und Entscheidungshilfe, um eine Bewertung von Handlungsalternativen. Das primäre Ziel von Evaluation ist das Überprüfen praktischer Maßnahmen, ihre Verbesserung oder eine Entscheidung über ihre Durchführung (Wottawa und Thierau, 1990)

Evidenz (Evidence)

Der Begriff „Evidenz“ stammt aus dem Lateinischen (evidens: augenscheinlich, klar, unmittelbar einleuchtend) und kann mehrere Bedeutungen haben. Im Kontext der  (>) evidenzbasierten Medizin (evidence = Nachweis, Beweis) sind Informationen aus klinischen Studien gemeint, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen.


Quellen:

Ollenschläger G. et al. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber. Bern 2003.

Perleth, M., Antes, G. (Hrsg.): Evidenzbasierte Medizin: Wissenschaft im Praxisalltag. Urban & Vogel. München 2002.

Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Evidence-Based Health Care, Eb-HC)

Unterscheidet sich von der – historisch betrachtet – früher entstandenen (>) Evidence-Based Medicine (EbM) dadurch, dass sie sich mit der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung von Bevölkerungsgruppen befasst, während die klassische (>) Evidence-Based Medicine (EbM) sich ausschließlich auf das individuelle Arzt-Patient-Verhältnis bezieht.
Eb-HC und EbM stehen in einem oft übersehenen Gegensatz, da die optimale individuelle Versorgung bei limitierten Ressourcen oft nicht mit der optimalen Versorgung von Bevölkerungsgruppen vereinbar ist. (siehe Abb. 1 im Leitartikel der QUALITAS-Ausgabe 7/2003)


Quelle:

Perleth, M., Antes, G. (Hrsg.): Evidenzbasierte Medizin: Wissenschaft im Praxisalltag. Urban & Vogel. München 2002.

Evidenzbasierte Medizin (Evidence-Based Medicine, EbM)

Unter evidenzbasierter Medizin (EbM) oder evidenzbasierter Praxis im engeren Sinne versteht man eine Vorgehensweise des medizinischen Handelns, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen.
Diese Technik umfasst die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem, die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch-epidemiologischen Gesichtspunkten; die Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellungen der Patienten.
Ein verwandter Begriff ist die (>) evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Evidence-Based Health Care), bei der die Prinzipien der EbM auf alle Gesundheitsberufe und alle Bereiche der Gesundheitsversorgung, einschließlich zur Steuerung des Gesundheitssystems, angewandt werden.


Quelle:

Perleth, M., Antes, G. (Hrsg.): Evidenzbasierte Medizin: Wissenschaft im Praxisalltag. Urban & Vogel. München 2002.

Evidenzbasierte Medizin, Deutsches Netzwerk (DNEbM)

Das Netzwerk versteht sich als interdisziplinäres und multiprofessionelles Forum aller an der Thematik EbM Interessierten.
Die Ziele des Vereins sind: Bündelung aller Aktivitäten, die sich im deutschsprachigen Raum mit (>) evidenzbasierter Medizin bzw. (>) evidenzbasierter Gesundheitsversorgung beschäftigen, Förderung wissenschaftlicher und klinischer Tätigkeiten, Durchführung des Jahreskongresses, Durchführung von Train-the-Trainer-Seminaren auf dem Gebiet der Anwendung (>) evidenzbasierter Medizin, Durchführung von Lehrkonferenzen und Workshops. Umfangreiche Homepage mit vielen EbM-Links.

Evidenzstärke in Leitlinien: Evidenz-Stufen (Levels of evidence)

Stufe   Evidenz-Typ

I a       Evidenz aufgrund von (>) Meta-Analysen randomisierter, kontrollierter Studien

I b       Evidenz aufgrund mindestens einer randomisierten, kontrollierten Studien

II a      Evidenz aufgrund mindestens einer gut angelegten, kontrollierten Studie ohne Randomisierung

II b      Evidenz aufgrund mindestens einer gut angelegten, quasi-experimentellen Studie

III        Evidenz aufgrund gut angelegter, nicht experimenteller deskriptiver Studien (z.B.Vergleichsstudien, Korrelationsstudien, Fall-Kontrollstudien)

IV        Evidenz aufgrund von Berichten/Meinungen von Expertenkreisen, Konsensus-Konferenzen und/oder klinischer Erfahrung anerkannter Autoritäten.

Quelle:

Leitlinien Manual der AWMF und ÄZQ, Z.ärztl. Fortbild.Qual.sich 2001 (95) Supplement 1, S 41]

Externe Qualitätskontrolle

Überprüfung der Einhaltung von Standards durch eine externe Organisation.
Im Laborbereich durch Ringversuche (>) seit Jahrzehnten üblich.

Fehler

Je nach sprachlichen Umfeld auch "abweichendes Ergebnis", "unerwünschtes Ergebnis", "unerwünschtes Ereignis", "unerwartete Behandlungsfolgen".

Fehler 1. Art ...

... liegt vor, wenn die Ausgangshypothese abgelehnt wird, obwohl sie richtig ist. Klarheit durch ein Beispiel: Die Hypothese bei einer Screeninguntersuchung lautet: Der Mensch ist gesund. Ein positives Untersuchungsergebnis führt zur Ablehnung der Ausgangshypothese, auch wenn der Mensch tatsächlich gesund ist. Das Testergebnis ist „falsch positiv“.

Fehler 2. Art ...

... liegt vor, wenn die Ausgangshypothese nicht abgelehnt wird, obwohl sie falsch ist. Am Beispiel der Screeninguntersuchung wäre das ein „falsch negatives“ Testresultat bei einem Erkrankten.

Fehler, Beinahe- (near miss)

Fehlerkategorie aus der Luftfahrt – der beinahe stattgefundene Zusammenstoß.
Durch Analyse dieser Fehlerkategorie und entsprechende Maßnahmen können ähnliche Fehler vermieden werden. Voraussetzung ist ein Berichtswesen, das diese Fehler erfasst.

Fehler, systematischer

Fehler, der reproduzierbar auftritt, z.B. falsch geeichtes Blutdruckmessgerät. Systematische Fehler sind durch Kontrolle etc. zu minimieren.

Fehler, zufälliger

Fehler, der innerhalb eines Systems nicht zu verhindern ist, z.B. Feueralarm während einer Blutdruckmessung.

Fehlerkultur

Wie gehen wir mit Fehlern um? Die Summe aus Maßnahmen zur Fehlererfassung, Fehleranalyse, Fehlerbehebung und Fehlervermeidung.

Die hohe Erwartungshaltung der Gesundheitsberufe erschwert das Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben. Damit ist auch der Aufbau eines Fehlerberichtswesens häufig auf die schwerstwiegenden Ereignisse (Todesfall) beschränkt.

Fehlermanagement

Teil des Qualitätsmanagementsystems einer Organisation.

Basis ist die (>) Fehlerkultur einer Organisation. Von den Führungsebenen wird vorgegeben, wie mit (>) Fehlern umgegangen wird. Ziel sollte die Schaffung eines Bewusstseins und der positive Umgang mit (>) Fehlern sein. Den Umgang mit Fehlern im Unternehmensleitbild niederzuschreiben ist ein erster Schritt.

Fehlervermeidung

Kernthema aller Qualitätsbemühungen.

Ältester Ansatz ist die Entfernung fehlerhafter Produkte aus dem Produktionsprozess vor der Auslieferung zum Kunden (Qualitätskontrolle, Fehlervermeidung durch Prüfung).

Folgt auf die Qualitätsbeurteilung die Qualitätsverbesserung (Messung der Qualität und Setzen von Maßnahmen, um erkannte Schwachstellen zu beheben), so spricht man von Qualitätssicherung.

Moderne Qualitätsstrategien verfolgen den Weg der Fehlervermeidung durch Vorbeugung.

Fishbone-Diagramm

Synonym: Ursache-Wirkungs-Diagramm, Ishikawa-Diagramm
Stellt die Beziehung zwischen Ursachen und Wirkung (z.B. Problem, Fehler, Ergebnis als Wirkung) grafisch dar. Sehr gut geeignet für Gruppenarbeiten, da es beide Gehirnhälften fordert und fördert und sehr leicht auch weitere Differenzierungen der Ursachen zulässt. Die 7 Ms (>Einflussfaktoren) eignen sich als Basis für das Ursache-Wirkungs-Diagramm.

FMEA

Fehlermöglichkeits- und Fehlereinflussanalyse (Failure Modes & Effects Analysis). Eine Methode in der Qualitätssicherung.

Es ist eine formalisierte Methode, mit deren Hilfe mögliche Probleme, deren Risken und Folgen bereits vor ihrer Entstehung geordnet und vollständig erfasst werden.

Das mögliche Auftreten von Fehlern wird von einem bereichsübergreifenden Team unter Anwendung in der Vergangenheit gewonnener Erfahrungen und unter Beachtung der speziellen Fachkenntnisse der Teammitglieder frühzeitig aufgezeigt, bewertet und vor allem durch das Festlegen geeigneter Maßnahmen vorausschauend vermieden.

Ursprünglich eine Qualitätssicherungsmethode in der Fertigungsindustrie, findet die FMEA jetzt bereits vielfältige Anwendungsmöglichkeit (Projektmanagement, Prozessmanagement, etc.).

Geschäftsprozess (GP)

Moderner Ansatz im Prozessmanagement (>).
Beschreibt die funktionsüberschreitende Verkettung wertschöpfender Aktivitäten zur Erzeugung von Leistungen, die vom Kunden erwartet werden. Die Ergebnisse haben strategische Bedeutung für die Organisation. Der Geschäftsprozess läuft also über die funktionellen Einheiten hinweg und ist daher stärker kundenorientiert (und „produktorientiert) als die Prozesskette oder Ablauforganisation (>). Unterscheidungsmerkmal zwischen Geschäftsprozess und Prozesskette ist die einheitliche Verantwortung im ersten Fall, die Abfolge verschiedener Verantwortlicher im zweiten Fall.

Gesundheitsversorgung, evidenzbasiert (Evidence-Based Health Care, Eb-HC)

Unterscheidet sich von der – historisch betrachtet – früher entstandenen (>) Evidence-Based Medicine (EbM) dadurch, dass sie sich mit der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung von Bevölkerungsgruppen befasst, während die klassische (>) Evidence-Based Medicine (EbM) sich ausschließlich auf das individuelle Arzt-Patient-Verhältnis bezieht.

Eb-HC und EbM stehen in einem oft übersehenen Gegensatz, da die optimale individuelle Versorgung bei limitierten Ressourcen oft nicht mit der optimalen Versorgung von Bevölkerungsgruppen vereinbar ist. (siehe Abb. 1 im Leitartikel der QUALITAS-Ausgabe 7/2003)


Quelle:

Perleth, M., Antes, G. (Hrsg.): Evidenzbasierte Medizin: Wissenschaft im Praxisalltag. Urban & Vogel. München 2002.

Guidelines International Network (G-I-N)

G-I-N erfüllt die Hauptaufgabe in der Weiterentwicklung einer Methodik der internationalen Kooperation bei der Leitlinienentwicklung. Die gemeinsame Nutzung von Evidenztabellen, eine Harmonisierung der Empfehlungsvergabe, die Verbesserung der  Zusammenarbeit mit der GRADE Arbeitsgruppe und der Cochrane Collaboration, die Entwicklung von Verfahren zur  Leitlinienadaptation und der Leitlinienaktualisierung sind nur einige der zu lösenden weiteren Aufgaben.
Umfassende internationale
Leitlinien-Bibliothek.

Guidelines, clinical practice guidelines (Leitlinien, medizinische)

Eine oft zitierte Definition des Institute of Medicine (1992) ist (vgl. auch Sackett 1996, zitiert im Leitartikel der QUALITAS-Ausgabe 7/2003): Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen mit dem Ziel, wichtige Entscheidungen von Ärzten und Patienten über eine angemessene Versorgung bei spezifischen gesundheitlichen Problemen zu unterstützen.

Harte Daten (= hard facts)

Messbare und objektiv bewertbare Daten, z.B. Kosten, Zeiten, Termine, Mengen.

Health Technology Assessment (HTA)

Ziel von HTA ist es, medizinische Interventionen auf ihre tatsächliche Wirksamkeit, ihre angemessene und effiziente Anwendung, auf Qualitätsveränderungen, klinische und organisatorische Auswirkungen, gesellschaftliche Akzeptanz etc. zu untersuchen und deren Diffusion entsprechend zu steuern. In diesem Sinne wird HTA als Analyse- wie Politikinstrument eingesetzt. Der (ev. irreführende) Technologiebegriff von Health Technology Assessment/HTA bezieht sich dabei sowohl auf medizinische Interventionen, Verfahren und Methoden, wie auch auf Großtechnologien und technische Geräte.


Quelle:

ITA Institut für Technikfolgenabschätzung

Health Technology Assessment , International Network of Agencies (INAHTA)

Internationales Netzwerk von 40 Agenturen aus 20 Ländern, das sich der Zusammenarbeit und dem Austausch von Informationen  auf dem Gebiet des HTA widmet.

INAHTA - Network of Agencies for Health Technology Assessment

Internationales Netzwerk von 40 Agenturen aus 20 Ländern, das sich der Zusammenarbeit und dem Austausch von Informationen  auf dem Gebiet des HTA widmet.

Indikator

Ist eine quantifizierbare Messgröße zur Beurteilung medizinischer Versorgungsabläufe oder Ergebnis, die das Maß der Erfüllung eines Versorgungskriterium beschreibt.


Quelle:

Methodik medizinischer Leitlinien Europarat-Empfehlung Rec (2001)13

Integrierte Versorgungspfade

Stellen Vereinbarungen dar, die die Aufgabenverteilung bei der Versorgung einer definierten Patientengruppe innerhalb eines geographischen Bereiches (regional) oder einer Institution (lokal) beschreiben. Diese Vereinbarungen können, müssen sich jedoch nicht auf klinische Leitlinien stützen.


Quelle:

Methodik medizinischer Leitlinien Europarat-Empfehlung Rec (2001)13

International Network of Agencies for Health Technology Assessment (INAHTA)

Internationales Netzwerk von 40 Agenturen aus 20 Ländern, das sich der Zusammenarbeit und dem Austausch von Informationen auf dem Gebiet des HTA widmet.

Irrtumswahrscheinlichkeit

Unschärfe im Schluss vom Ergebnis einer Untersuchung auf den tatsächlichen Zustand des Testobjektes.

Im Bewusstsein der Gesundheitsberufe wird dies häufig umschrieben mit „in der Medizin ist nichts 100%ig sicher“ oder „alles ist möglich“. In der Wertigkeit von Untersuchungen spielt die Irrtumswahrscheinlichkeit eine meist unterschätzte Rolle. Dazu ein weiteres Beispiel: Ein medizinischer Test, z.B. eine Ultraschalluntersuchung, hat eine Irrtumswahrscheinlichkeit von 1%. Das bedeutet, 99 von 100 Ergebnissen sind korrekt. Es wird damit nach einer Erkrankung gesucht, die einmal unter 1000 Personen auftritt, 100.000 Untersuchungen werden durchgeführt. Es gibt also 100 Kranke und 99.900 Gesunde. Die Untersuchung liefert daher von den Kranken 1 negatives (falsches) und 99 positive (richtige) Resultate. Bei den Gesunden finden wir 999 positive (falsche) und 98.901 negative (richtige) Resultate. Gesamt sind das 1098 positive Resultate. Davon sind aber nur 99 richtig. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Befund tatsächlich krank zu sein, hier nur bei 9% liegt.

Ishikawa-Diagramm

Synonym: Ursache-Wirkungs-Diagramm, Fishbone-Diagramm
Stellt die Beziehung zwischen Ursachen und Wirkung (z.B. Problem, Fehler, Ergebnis als Wirkung) grafisch dar. Sehr gut geeignet für Gruppenarbeiten, da es beide Gehirnhälften fordert und fördert und sehr leicht auch weitere Differenzierungen der Ursachen zulässt. Die 7 Ms (>Einflussfaktoren) eignen sich als Basis für das Ursache-Wirkungs-Diagramm.

ISO

Internationale Normungsorganisation (International Organization for Standardisation)

Joint Commission International Accreditation

Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations (JCAHO), gegründet 1951, ist die älteste private, unabhängige und gemeinnützige Körperschaft zur Zertifizierung von Gesundheitseinrichtungen mit Sitz in Chicago. Seit ihrer Gründung im Jahre 1951 arbeitet Joint Commission (JC) intensiv an der Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung in den Vereinigten Staaten wie auch weltweit. Aktuell sind von JCAHO mehr als 20.000 verschiedene Gesundheitseinrichtungen zertifiziert, darunter mehr als 80% der Krankenhäuser der USA.

Seit 1999 existiert eine Tochtergesellschaft, die Joint Commission International Accreditation (JCIA), zur Zertifizierung von Gesundheitseinrichtungen außerhalb der Vereinigten Staaten. Aktuell sind weltweit 46 Einrichtungen des Gesundheitswesens nach diesen international gültigen Standards (entwickelt von einer internationalen Task Force aus Ärzten, Pflegekräften, Verwaltungsangehörigen und Experten für Öffentlichkeitsarbeit) zertifiziert, darunter auch zwei österreichische Häuser – das Neurologische Therapiezentrum Kapfenberg (04/2002) und das LKH Villach (12/2003).

Die Inhalte der Joint Commission wurden von Gesundheitsexperten spezifisch für das Gesundheitswesen entwickelt. Zu betonen gilt, dass JC mit all seinen Standards den Patienten in den Mittelpunkt des Interesses stellt, um dessen Rechte und qualitativ hochwertige Behandlung wie auch seine Sicherheit und adäquate Aufklärung zu garantieren ohne dabei die, auch in den anderen Zertifizierungssystemen angesprochenen Forderungen an die Wirtschaftlichkeit, Mitarbeiterzufriedenheit oder technischen Gegebenheiten zu vernachlässigen.

Nach Klazinga ist die Perspektive von Akkreditierungen die Gesundheitseinrichtung mit ihren Leistungen und nicht das Qualitätssystem. Daher ist bei JCIA keine Teilzertifizierung (z.B. Labor oder einzelne Abteilungen) möglich. Es wird immer die gesamte Einrichtung betrachtet und beurteilt. Somit kann gewährleistet werden, dass die Patienten in der gesamten Einrichtung den vorgegebenen Standard vorfinden – unabhängig davon, in welchen Bereich oder auf welche Abteilung sie sich begeben.

Grundsätzlich gibt es, in 11 Kapitel unterteilt, ~ 350 so genannte „Standards“, welche über mehr als 1.000 sog. „Messbare Elemente“ genau definieren, welche Anforderungen zu erfüllen sind. Die internationalen Standards der Joint Commission sind in die folgenden Kapitel unterteilt:

A. Patientenbezogene Standards
• Zugang zur und Kontinuität der Behandlung (ACC)
• Rechte der Patienten und deren Familienangehörigen (PFR)
• Untersuchung der Patienten (AOP)
• Behandlung der Patienten (COP)
• Aufklärung und Belehrung von Patienten und Familienangehörigen (PFE)

B. Organisationsbezogene Standards
• Qualitätsverbesserung und Patientensicherheit (QPS)
• Prävention und Überwachung von Infektionen (PCI)
• Aufsichtsorgan, Führung, Direktion (GLD)
• Anlagenmanagement und Sicherheit (FMS)
• Mitarbeiterqualifikation und Weiterbildung (SQE)
• Management von Informationen (MOI)

Kernprozess

Prozess zur Erzeugung der Produkte oder Erbringung Dienstleistungen (in Gesundheitseinrichtungen: Therapie, Diagnose), welche die Kernkompetenz der Organisation repräsentiert. Beschreibt die Aufgaben, zu deren Erfüllung die Organisation überhaupt existiert. Im QM werden Kernprozesse von Unterstützungs- und Führungsprozessen unterschieden.

Klinische Pfade (Behandlungspfade, Patientenpfade, Clinical Pathways)

Sind multidisziplinäre Prozessbeschreibungen zur optimalen klinischen Behandlung bestimmter Patientengruppen mit einer klar definierten Diagnose, welche die Koordination und die Ausführung hochqualitativer Patientenversorgung unterstützen.

Klinische Pfade sollten in der Lage sein, die Versorgung von 60 bis 70% der Patienten mit gleicher Diagnose, gleichem Versorgungsprocedere oder gleichen Symptomen zu standardisieren.

Kongruenzprinzip

Nicht nur – aber auch – in der Projektarbeit ist nach dem Kongruenzprinzip darauf zu achten, dass jene Personen oder Organisationseinheiten, die mit bestimmten Aufgaben betraut sind, auch die Kompetenzen (de facto) dafür haben. Erst dadurch können sie Verantwortung übernehmen.

Kriterium

„Maßeinheit“ einer Leistung. Im Hochsprung wäre es „Höhe in cm“. Beispiele aus dem Gesundheitswesen: Rate der p.s.-Heilungen in Prozent, Wartezeit in einer Ambulanz in Minuten; Temperatur eines Ery-Konzentrates bei Transfusion in Grad Celsius, Aufklärungsrate aller einwilligungsfähigen Patienten in Prozent, Anzahl der im Krankenhaus erworbenen Infektionen, Haltbarkeit eines Gerätes in Jahren, etc. Die Auswahl des Kriteriums ist ein wesentlicher Schritt, um Qualität messbar/beurteilbar zu machen. Kriterien müssen valid sein, d.h. es wird die richtige Messgröße erfasst, und die Messung muss ausreichend empfindlich sein. Die Behauptung: „Wir liefern gute Qualität“ muss immer die Antwort auf die Frage: „Wie gemessen oder beurteilt?“ beinhalten.

Kritik

Prüfende Beurteilung nach inhaltlicher Auseinandersetzung; innerhalb des Teams nicht Missfallensäußerung.

Kritikfähigkeit

Die Fähigkeit, ohne Verletzung der Person des anderen sachliche Argumente austauschen zu können.

Leistungserbringung

Wertschöpfender Abschnitt des GP (>) – medizinisch: Therapie.

Leitlinien (medizinische) (guidelines, clinical practice guidelines)

Eine oft zitierte Definition des Institute of Medicine (1992) ist (vgl. auch Sackett 1996, zitiert im Leitartikel der QUALITAS-Ausgabe 7/2003): Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen mit dem Ziel, wichtige Entscheidungen von Ärzten und Patienten über eine angemessene Versorgung bei spezifischen gesundheitlichen Problemen zu unterstützen.

Leitlinien, Evidenzstärken: Evidenz-Stufen (Levels of evidence)

Stufe   Evidenz-Typ

I a       Evidenz aufgrund von (>) Metaanalysen randomisierter, kontrollierter Studien

I b       Evidenz aufgrund mindestens einer randomisierten, kontrollierten Studien

II a      Evidenz aufgrund mindestens einer gut angelegten, kontrollierten Studie ohne     Randomisierung

II b      Evidenz aufgrund mindestens einer gut angelegten, quasi-experimentellen Studie

III        Evidenz aufgrund gut angelegter, nicht experimenteller deskriptiver Studien (z.B.. Vergleichsstudien, Korrelationsstudien, Fall-Kontrollstudien)

IV        Evidenz aufgrund von Berichten/Meinungen von Expertenkreisen, Konsensus-Konferenzen und /oder klinischer Erfahrung anerkannter Autoritäten.

Quelle:

Leitlinien Manual der AWMF und ÄZQ, Z.ärztl. Fortbild.Qual.sich 2001 (95) Supplement 1, S 41

Lenkungsausschuss/Steuerungsgruppe

Trägt die Ergebnisverantwortung für das Projekt (>).
Trifft Grundsatzentscheidungen für das Projekt (>), klärt projektübergreifende Konflikte.
Wird durch einen Vertreter des Projektauftraggebers (>) geleitet.

Medizin, evidenzbasiert (Evidence-Based Medicine, EbM)

Unter evidenzbasierter Medizin (EbM) oder evidenzbasierter Praxis im engeren Sinne versteht man eine Vorgehensweise des medizinischen Handelns, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen. Diese Technik umfasst die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem, die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch-epidemiologischen Gesichtspunkten; die Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellungen der Patienten.

Ein verwandter Begriff ist die (>) evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Evidence-Based Health Care), bei der die Prinzipien der EbM auf alle Gesundheitsberufe und alle Bereiche der Gesundheitsversorgung, einschließlich zur Steuerung des Gesundheitssystems, angewandt werden.


Quelle:

Perleth, M., Antes, G. (Hrsg.): Evidenzbasierte Medizin: Wissenschaft im Praxisalltag. Urban & Vogel. München 2002.

Medizinische Leitlinien (guidelines, clinical practice guidelines)

Eine oft zitierte Definition des Institute of Medicine (1992) ist (vgl. auch Sackett 1996, zitiert im Leitartikel der QUALITAS-Ausgabe 7/2003): Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen mit dem Ziel, wichtige Entscheidungen von Ärzten und Patienten über eine angemessene Versorgung bei spezifischen gesundheitlichen Problemen zu unterstützen.

Meilensteine

Wichtige vordefinierte Ereignisse/Stationen im Laufe eines Projekts (>), die das besondere Interesse der Projektleitung oder des Auftraggebers haben: hier wird berichtet, gemessen, bewertet, entschieden, u.s.f.

Meta-Analyse

Statistisches Verfahren, um die Ergebnisse mehrerer Studien, die die gleiche Frage bearbeiten, quantitativ zu einem Gesamtergebnis zusammenzufassen und dadurch die Aussagekraft (Genauigkeit der Effektschätzer) gegenüber Einzelstudien zu erhöhen. Meta-Analysen werden mit zunehmender Häufigkeit in (>) systematischen Reviews  eingesetzt. Allerdings beruht nicht jede Meta-Analyse auf einem systematischen Review.


Quelle:

Ollenschläger G. et al. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber. Bern 2003.

Near miss – Beinahefehler

Fehlerkategorie aus der Luftfahrt – der beinahe stattgefundene Zusammenstoß.
Durch Analyse dieser Fehlerkategorie und entsprechende Maßnahmen können ähnliche Fehler vermieden werden. Voraussetzung ist ein Berichtswesen, das diese Fehler erfasst.

Norm

(1) Dokument, das Festlegungen zur Vereinheitlichung beschreibt. Das kann sich auf Anforderungen an Gegenstände (Produkte) oder Dienstleistungen, auf Sicherheitsaspekte, auf Prozesse oder auf das Qualitätsmanagement beziehen (ISO 9000ff).

(2)
Dokument, das im Konsens erstellt und von einer anerkannten Einrichtung gebilligt wurde. Eine Norm definiert die Eigenschaften von Aktivitäten oder ihre angestrebten Ergebnis. Normen sollten stets auf verlässlichen Ergebnissen aus Wissenschaft, Technik und Erfahrung gründen und der Gesellschaft größtmöglichen Nutzen bringen.


Quelle:

Methodik medizinischer Leitlinien Europarat-Empfehlung Rec (2001)13

Norm (ÖNORM)

Norm, die durch das Österreichische Normungsinstitut erstellt wurde.
Derzeit bestehen über 13.000 ÖNORMEN.
Für die Erstellung einer Norm gelten folgende Grundprinzipien:
Neutrale Gemeinschaftsarbeit = Beteiligung aller Betroffenen (Erzeuger, Konsumenten, Behörden, Wissenschaft). Im Gesundheitswesen: alle Berufsgruppen, PatientInnen und Rechtsträger.
Allumfassender Konsens = allgemeine Zustimmung aller Betroffenen, keine Widersprüche gegen wesentliche Inhalte.
Publizität = es besteht ein öffentliches Einspruchsverfahren in der Entwurfphase.
Kohärenz = das Normenwerk ist widerspruchsfrei und verwendet gleiche Begriffe wie andere Normen (zwingend).
Geltungsdauer = die Aktualität muss alle 3 Jahre überprüft und gegebenenfalls eine Aktualisierung oder Außerkraftsetzung vorgenommen werden.

Normen

Die Normen zum Thema Projektmanagement gründen auf den Anforderungen an „große“ Projekte (>) (z.B. Bauwirtschaft, EDV).

OENORM DIN 69901:2000 - Festlegung der Begriffe für das Sachgebiet „Projektmanagement“ in der Projektwirtschaft

OENORM DIN 69903:2000 - Festlegung der Begriffe der „Kosten- und Leistungsrechnung“ im Rahmen der Projektwirtschaft

OENORM DIN 69904:2000 - Beschreibung des Modelles eines Projektmanagementsystems mit dessen Elementen und dessen Dokumentation

OENORM DIN 69905:2000 - Festlegung von Begriffen für das Sachgebiet „Abwicklung“ in der Projektwirtschaft

Normungsinstitut, Österreichisches (ON)

Privater Verein auf Basis des Normgesetzes 1971. Gründungsmitglied der CEN und der ISO.

ONR oder ONRegel

Die „kleine Schwester“ der Norm. Grundsätzlich entsteht die ONR nach denselben Kriterien wie die ÖNORM, allerdings sind die Standards anders gesetzt:  Gemeinschaftsarbeit = mindestens zwei interessierte Gruppen sind an der Erarbeitung beteiligt. Konsens = lediglich eine einfache Mehrheit ist gefordert. Publizität = die öffentliche Auflage zur Stellungnahme kann erfolgen, ist aber nicht zwingend vorgesehen. Kohärenz = auf Widerspruchsfreiheit und Einheitlichkeit wird geachtet. Geltungsdauer = maximal 5 Jahre.
Die ONR ist also ein schnellerer Weg, aber mit geringerem Verbindlichkeitsgrad. Nach Ablauf der Geltungsdauer sollte entweder eine Norm gleichen Inhaltes fertig gestellt und in Kraft sein, oder der Gegenstand der Regulierung war nicht so bedeutend, dass ein solcher Schritt erfolgen musste.

Patientenpfade (klinische Pfade, Behandlungspfade, Clinical Pathways)

Sind multidisziplinäre Prozessbeschreibungen zur optimalen klinischen Behandlung bestimmter Patientengruppen mit einer klar definierten Diagnose, welche die Koordination und die Ausführung hochqualitativer Patientenversorgung unterstützen.

Klinische Pfade sollten in der Lage sein, die Versorgung von 60-70% der Patienten mit gleicher Diagnose, gleichem Versorgungsprocedere oder gleichen Symptomen zu standardisieren.

PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act)

Synonym: Deming-Cycle, Shewart-Cycle.
Kreislauf der ständigen Verbesserung von Systemen (auch Prozesse in Systemen) zur Optimierung der Produkte und Dienstleistungen. (vgl. Beitrag in QUALITAS 5/2003, Seite 13)

Projekt

Ein Vorhaben innerhalb einer Organisation oder organisationsübergreifend, das im Wesentlichen „einmalig“ ist betreffend Zielvorgaben und Rahmenbedingungen (Zeit, Art der Arbeit, usw.), eine spezifische (Projekt-)Organisation (>) aufweist und zu anderen Aufgaben (z.B. betriebliche Routine) klar abgegrenzt ist.

Projekt(abschluss)bericht

Darin werden die Ergebnisse des Projektes (>) dargestellt und mit harten (>) und weichen (>) Daten belegt. Zugleich werden aus dem Projekt gewonnene Erkenntnisse zum thematischen Inhalt des Projektes, für zukünftige Projekte oder andere Bereiche der Gesamtorganisation dargestellt.

Projektauftrag

Der (schriftliche) Auftrag des Auftraggebers für die Durchführung eines Projekts (>) (bei komplexen Projekten einer Projektphase) an den Projektleiter (>). Beinhaltet die Motive und Zielsetzungen des Projekts (>) und setzt die Rahmenbedingungen fest. Kann auch bereits konkrete Hinweise auf die Projektorganisation (>) umfassen.

Projektauftraggeber

Entscheidet über Projektbeauftragung (Projektwürdigkeit, Inhalt des Projektauftrages (>)), ernennt den Projektleiter (>), genehmigt die Projektorganisation (>), wird bei Meilensteinen (>) im Projekt (>) mit Entscheidungen befasst und nimmt den Projektabschlussbericht (>) entgegen.

Projektleiter

Führt die Mitarbeiter des Projektteams / der Projektgruppe (>). Plant und steuert das Projekt (>), trägt die Verantwortung für die Erreichung der Projektziele (>) (Leistungen, Kosten, Termine usw.). Die Definition seiner Aufgaben und Verantwortlichkeiten erfolgt unter Beachtung des Kongruenzprinzips (Klärung des Verhältnisses zum Lenkungsausschuss/Steuerungsgruppe(>)).

Projektorganisation

Summe der organisatorischen Rahmenbedingungen (Ressourcenzugang, Kommunikationswege, Berichtspflichten, Handlungsvollmachten und -beschränkungen etc.), die auch deutlich von den sonstigen Gepflogenheiten im Betrieb abweichen können, aber im Projektauftrag (>) verankert sind.

Projektteam/Projektgruppe

Gruppe von Personen mit unterschiedlicher Ausbildung und Aufgabenstellung, die gemeinsam eine gestellte Aufgabe bearbeiten, Lösungen vorschlagen, aber nicht im eigenen Arbeitsbereich umsetzen.

Die ausführende Ebene in einem Projekt (>) unter Leitung des Projektleiters (>).

Projektziele

Definierte Ergebnisse unter vorgegebenen Rahmenbedingungen und evtl. Vorgaben für die Umsetzung, die mit den Lösungen (Projektergebnissen) erfüllt werden müssen.

Prozess

Regelmäßig (pro Geschäftsfall) ablaufende, standardisierte Aktivitäten. Sie können auch in größeren Zeitabständen (periodisch) ablaufen.
Definition ISO (>) 9000:2000: „System von Tätigkeiten, das Eingaben mit Hilfe von Mitteln in Ergebnisse umwandelt."
Definition des EFQM-Modells (>): „Eine Folge von Tätigkeiten, die Wertschöpfung erbringt, indem sie aus einer Input-Vielfalt den verlangten Output erzeugt.“

Prozessmanagement

Gestaltung von Prozessen (>) mit den Zielen der Optimierung, Klärung oder Vereinfachung.

Prozessmesspunkte

Je schwieriger ein Prozess (>) beherrschbar ist (oder je fehleranfälliger er ist), desto engmaschiger sind Mess- und Kontrollpunkte zu setzen (medizinisch: z.B. Visite, Indikatoren). Instabile Prozesse fordern ständige Überwachung (Intensivstation). Die Prozessbeherrschung hängt hier auch von einer Reihe von externen Faktoren (Komplikationen, schicksalhafter Verlauf etc.) und den Reaktionen darauf ab.

Prozesssteuerung

Gesamtheit des Einsatzes von Instrumentarien zur Gewährleistung wirkungsvoller Prozesse (>): Messungen, Kontrolle, Dokumentation, Reaktionen (vergleichbar mit Funktionsweise eines Regelkreises oder PDCA-Zyklus (>) im QM.

Qualität (Nach ISO 8402)

Die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung, die sich auf deren Eignung zur Erfüllung festgelegter oder vorausgesetzter Erfordernisse beziehen. Diese weithin gebräuchliche Definition setzt voraus, dass Erfordernisse für Produkte und/oder Dienstleistungen im Vorhinein definiert wurden, anhand derer eine Beurteilung der Qualität einer Leistung möglich ist (>Kriterium; >Standard).

Qualitätsbeurteilung

Maßnahmen zur Beurteilung einer Dienstleistung oder eines Produktes an ihrer Eignung für das angestrebte Ziel nach definierten Kriterien (>) und Standards (>). Werden die vorgegebenen Standards nicht erreicht, sind Maßnahmen zu setzen.

Qualitätskontrolle

Im Wesentlichen ident mit Qualitätsbeurteilung, gängiger Begriff in der Labordiagnostik als interne oder externe (>) Qualitätskontrolle.

Qualitätskontrolle, externe

Überprüfung der Einhaltung von Standards durch eine externe Organisation.
Im Laborbereich durch Ringversuche (>) seit Jahrzehnten üblich.

Qualitätssicherung

Der Begriff umfasst ein zweistufiges Vorgehen. Nach Qualitätsbeurteilung (>) erfolgt die Qualitätsverbesserung (>). Daher sind qualitätssichernde Maßnahmen i. e. Sinn immer Folge einer Beurteilung des Ist-Standes.

Qualitätsverbesserung

Maßnahmen, um erkannte Schwachstellen zu beheben.

Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)

Eine experimentelle Studie, bei der die Patienten nach einem Zufallsverfahren (mit verdeckter Zuordnung) auf die Therapie- bzw. die Kontrollgruppe verteilt (Randomisierung) und auf das Auftreten der festgelegten Endpunkte in den einzelnen Gruppen nachbeobachtet werden.


Quelle:

Ollenschläger G. et al. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber. Bern 2003.

Review, systematischer (Synonym: systematische Übersicht)

Sekundärforschung, bei der zu einer klar formulierten Frage alle verfügbaren Primärstudien systematisch und nach expliziten Methoden identifiziert, ausgewählt und kritisch bewertet und die Ergebnisse extrahiert und deskriptiv oder mit statistischen Methoden quantitativ zusammengefasst werden. Nicht jeder systematische Review führt zu einer (>) Meta-Analyse.


Quelle:

Ollenschläger G. et al. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber. Bern 2003.

Richtlinien

Richtlinien sind Regelungen des Handelns oder Unterlassens, die von einer rechtlich legitimierten Institution konsentiert, schriftlich fixiert und veröffentlicht wurden, für den Rechtsraum dieser Institution verbindlich sind und deren Nichtbeachtung definierte Sanktionen nach sich zieht.


Quelle:

ÄZQ, 1997

Ringversuche

Methode der externen Qualitätskontrolle. Analysematerial wird von einer nicht zum Betrieb gehörigen Organisation an alle Rundversuchsteilnehmer verschickt, die rückübermittelten Ergebnisse werden zentral ausgewertet. Der Teilnehmer bekommt allgemeine statistische Angaben über das Gesamtkollektiv oder spezifische Teilkollektive und die Angabe über die Lage seines Messwertes (üblicherweise als Vielfaches der Standardabweichung). Übliche Grenzen sind der 2s- und 3s-Bereich. Werte, die außerhalb der genannten Bereiche liegen, müssen zu Maßnahmen im Betrieb führen.

SAE (serious adverse event)

Bezeichnung für ein unerwünschtes, gravierendes Ereignis im Rahmen einer klinischen Prüfung.

SAEs sind meldepflichtig, wobei sowohl der Schweregrad (stationäre Behandlung verlängert, Wiederaufnahme etc.) als auch der Ausgang (völlige Wiederherstellung, bleibende Beeinträchtigung, Tod) und die Kausalität an die Studienleitung und an die Ethikkommission berichtet werden müssen.

Selbstbewertung

Nach den Regeln der Bewerbung um den EQA oder AQA kann auch eine Selbstbewertung durch im eigenen Betrieb befindlichen Assessoren erfolgen. Wertvoll sind dabei vor allem die durch das Assessorenteam erarbeiteten Verbesserungsvorschläge und die Analyse der Stärken.

Shewart-Cycle

Synonym: PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act), Deming-Cycle
Kreislauf der ständigen Verbesserung von Systemen (auch Prozesse in Systemen) zur Optimierung der Produkte und Dienstleistungen. (vgl. Beitrag in QUALITAS 5/2003, Seite 13)

Site-Visit

Besuch eines Assessoren-Teams (interdisziplinär, 6 – 8 Personen) bei einem Bewerber um den AQA. Der meist 2 Tage dauernde Besuch dient dazu, Unklarheiten in den Bewerbungsunterlagen aufzuklären und sich vor Ort von der Schlüssigkeit der gemachten Angaben zu informieren.

Soft facts (weiche Daten)

Beschreiben z.B. das Projektumfeld, die Stimmungen von Menschen, Eindrücke, Ergebnisse und Situationen aus Patienten- oder Mitarbeitersicht.

SOP

Standard Operating Procedure. Festgeschriebene Verfahrensanweisung innerhalb eines Betriebes, möglichst mit einheitlicher Gliederung. Inhalte, die bereits in anderen Unterlagen (z.B. Gerätehandbuch) aufscheinen, brauchen nicht in die SOP kopiert werden. In diesem Fall verweist man auf das Gerätehandbuch als Begleitdokument.

Standard

„Maßzahl“ zum Kriterium, vor allem als Zielgröße. Beim Beispiel Hochsprung wäre das zum Kriterium „Höhe in cm“ der Standard „180“ für das xy-Sportabzeichen. Für die vorgenannten Beispiele könnten folgende Standards gesetzt werden: p.s.-Heilungen unter 3 Prozent (abhängig von der Art des Eingriffs!!), Temperatur zwischen 34 und 37 Grad; Aufklärungsrate 100 Prozent (gesetzlich!!) ... Standards können aus der Literatur (gesetzliche Regelungen, best-practice etc.) als normative Standards oder aus der Erfahrung (unter 10 Minuten Wartezeit) als empirische Standards festgelegt werden.

Steuerungsgruppe/Lenkungsausschuss

Trägt die Ergebnisverantwortung für das Projekt (>).
Trifft Grundsatzentscheidungen für das Projekt (>), klärt projektübergreifende Konflikte.
Wird durch einen Vertreter des Projektauftraggebers (>) geleitet.

Studie, kontrollierte randomisierte

Eine experimentelle Studie, bei der die Patienten nach einem Zufallsverfahren (mit verdeckter Zuordnung) auf die Therapie- bzw. die Kontrollgruppe verteilt (Randomisierung) und auf das Auftreten der festgelegten Endpunkte in den einzelnen Gruppen nachbeobachtet werden.


Quelle:

Ollenschläger G. et al. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber. Bern 2003.

Systematischer Fehler

Fehler, der reproduzierbar auftritt, z.B. falsch geeichtes Blutdruckmessgerät. Systematische Fehler sind durch Kontrolle etc. zu minimieren.

Systematischer Review (Synonym: Systematische Übersicht)

Sekundärforschung, bei der zu einer klar formulierten Frage alle verfügbaren Primärstudien systematisch und nach expliziten Methoden identifiziert, ausgewählt und kritisch bewertet und die Ergebnisse extrahiert und deskriptiv oder mit statistischen Methoden quantitativ zusammengefasst werden. Nicht jeder systematische Review führt zu einer (>) Meta-Analyse.


Quelle:

Ollenschläger G. et al. (Hrsg.): Kompendium evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber. Bern 2003.

Team

Gruppe von Personen mit unterschiedlicher Ausbildung und Aufgabenstellung, die gemeinsam ein Problem erkennen, analysieren, Lösungen erarbeiten und diese umsetzen. Die eigene Betroffenheit unterscheidet das Team vom Projektteam (>).

Teamarbeit

ist nicht alles, woran mehrere Personen gemeinsam arbeiten. Teams haben ein gemeinsames Teamziel (>), arbeiten selbst gesteuert (zeitlich und inhaltlich), jeder macht das, was er/sie am besten kann. Teams brechen Regeln der Organisation, in der sie leben und: Teams setzen selbst um!

Teamfähigkeit

Eigenschaft von MitarbeiterInnen, die als Voraussetzung für erfolgreiche Teamarbeit (>) zu sehen ist. Sie umfasst eine Reihe von Merkmalen, die kaum jemals in vollständiger Ausprägung anzutreffen sind (Toleranz, Kritikfähigkeit, Fehlerkultur, Verantwortungsbewusstsein, systematisches Vorgehen, konsequente Umsetzung).

Teamleiter

Nicht alle haben (brauchen) einen. Wenn es einen gibt, hat er die Aufgabe, die Arbeit des Teams zu koordinieren. Geschickte Teamleiter achten darauf, dass sie nicht auch noch für das Kaffeekochen, die Dokumentation und überhaupt alles andere verantwortlich sind.

Teamregeln

Selbst gewählte Spielregeln für die Arbeitsweise, den Umgang miteinander und die Art der Entscheidungsfindung. Auch Themen wie Weitergabe von Informationen nach außen, Umgang mit Störungen etc. gehören hierher. Teamregeln sollen immer ausgesprochen, vereinbart und dokumentiert sein.

Teamziele

Was erfolgreiche Teams ausmacht, sind konkrete, klar und kurz formulierte Ziele, die den Teammitgliedern auch dann einfallen, wenn man sie um Mitternacht jäh aus dem Schlaf reißt.

Toleranz

Verständnis und Duldsamkeit, auch Akzeptanz gegenüber einer abweichenden Meinung.

Top-Down-Ansatz

Im Gegensatz zum Bottom-up-Ansatz (>) werden hier die relevanten Informationen (Motive, Ziele, Rahmenbedingungen, Lösungsansätze) beginnend mit der obersten hierarchischen Ebene von oben nach unten vorgegeben und dabei immer weiter aufgegliedert.

TQM

Total Quality Management. Ansatz im Qualitätsmanagement, der um die Mitte des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten und Japan entwickelt wurde. Wesentliche Vertreter sind E. W. Deming, A. V. Feigenbaum, P. B. Crosby, J. M. Juran und K. Ishikawa. Alle TQM-Modelle haben die Orientierung am Konsumenten, die Entscheidungsfindung auf Basis gesicherter Daten, das Denken in Prozessen – definierten Abfolgen mit klaren Verantwortlichkeiten – und die ständige Qualitätsverbesserung gemeinsam. Ergänzend wird Gewicht auf das innerbetriebliche soziale System gelegt.

Ursache-Wirkungs-Diagramm

Synonym: Ishikawa-Diagramm, Fishbone-Diagramm. Stellt die Beziehung zwischen Ursachen und Wirkung (z.B. Problem, Fehler, Ergebnis als Wirkung) grafisch dar. Sehr gut geeignet für Gruppenarbeiten, da es beide Gehirnhälften fordert und fördert und sehr leicht auch weitere Differenzierungen der Ursachen zulässt. Die 7 Ms (>Einflussfaktoren) eignen sich als Basis für das Ursache-Wirkungs-Diagramm.

Versorgungspfade, integrierte

Stellen Vereinbarungen dar, die die Aufgabenverteilung bei der Versorgung einer definierten Patientengruppe innerhalb eines geographischen Bereiches (regional) oder einer Institution (lokal) beschreiben. Diese Vereinbarungen können, müssen sich jedoch nicht auf klinische Leitlinien stützen.


Quelle:

Methodik medizinischer Leitlinien Europarat-Empfehlung Rec (2001)13

Weiche Daten (= soft facts)

Beschreiben z.B. das Projektumfeld, die Stimmungen von Menschen, Eindrücke, Ergebnisse und Situationen aus Patienten- oder Mitarbeitersicht.

Zertifizierung

Bescheinigung der Konformität mit vorgegebenen Standards. Sie erfolgt durch einen unparteiischen Dritten, der für diese Tätigkeit akkreditiert (>) ist. Die Zertifizierung beschreibt einen Ist-Stand.

Zufälliger Fehler

Fehler, der innerhalb eines Systems nicht zu verhindern ist, z.B. Feueralarm während einer Blutdruckmessung.


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