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Neues aus der Gesundheitswirtschaft

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Positive Bilanz für die Corporate Health Convention 2014

01.06.2014 von spring Messe Management GmbH

Mensch sein können in der Arbeit

Einen neuen Höchststand an Besuchern und Ausstellern verzeichnete die Corporate Health Convention 2014 in der Messe Stuttgart: Auf der Suche nach den Grundlagen für ein langes produktives Arbeitsleben trafen 2.565 Interessenten auf 139 Anbieter von Lösungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Aktuelle Schwerpunkte in diesem Jahr waren Demografiemanagement, alternsgerechte Personalpolitik, psychische Gefährdungsbeurteilung, gesunde Führung, flexible Arbeit und neue Trends im Bereich eHealth.

Wie sehr der demografische Wandel mit dem Thema betriebliche Gesundheitsförderung verknüpft ist, zeigte insbesondere der 1. Demografietag: Die vom ddn – Das Demographie Netzwerk e.V. gestaltete Themenreihe zog sich wie ein roter Faden durch das Programm am ersten Messetag. „Der intelligente Umgang mit dem demografischen Wandel ist zukunftsentscheidend für unsere Wirtschaft und Gesellschaft“, unterstrich Natascha Hoffner, Geschäftsführerin des Veranstalters spring Messe Management, den großen Stellenwert des neuen Angebots.

Politik schreibt Demografiestrategie fort

„Jedes Alter zählt“, betonte Reimund Overhage vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Unter Federführung seines Ministeriums setze die Bundesregierung die Demografiestrategie fort, die eine Arbeitsgruppe in der letzten Legislaturperiode eingeleitet hat. „Die Fachkräftedebatte bleibt uns treu“, begründete Overhage die weiterführenden Aktivitäten, an denen der ddn – Das Demographie Netzwerk und die INQA – Initiative Neue Qualität beteiligt sind. Beide Organisationen stellten auf der Messe druckfrische Publikationen mit methodischen Ansätzen und Best-Practice-Beispielen vor: Mit dem Fachbuch „Gesundheits- und Demographiemanagement“ baut das Demographie-Netzwerk seine Reihe „DemographieManagement kompakt“ aus, während die INQA mit der Broschüre „Gesunde Mitarbeiter – gesundes Unternehmen“ Unternehmen mit einer neue Handlungshilfe für das Betriebliche Gesundheitsmanagement unter die Arme greift.

Riesenschritt vom Wissen zur Umsetzung

Um den Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die Leistungsfähigkeit ging es unter anderem in der Podiumsdiskussion zum 1. Demografietag. „Alter ist kein Malus für die Produktivität. Wenn Sie Mensch sein können in der Arbeit, gibt es keinen Produktivitätsverlust bis jenseits der 70“, plädierte Dr. Christian Kugelmeier, Rechtsanwalt und geschäftsführender Gesellschafter der HealthVision GmbH, für ein neues Altersbild. Zwar nehme die Widerstandsfähigkeit mit zunehmendem Alter ab, dies lasse sich jedoch über eine Reorganisation der Arbeit verhindern. Vom Wissen zur Umsetzung sei es ein Riesenschritt, gab ddn-Vorstandsvorsitzender Rudolf Kast zu bedenken. Insbesondere kleinere Unternehmen fragten sich, wie sie in Betriebliches Gesundheitsmanagement einsteigen sollten. „Ich empfehle, mit flexibler Arbeitszeitmodellen zu beginnen.“

Flexible Arbeitszeiten als Einstiegsfeld

Sein Unternehmen habe überraschend positive Erfahrungen mit der Einführung von Arbeitszeitkonten gemacht, bestätigte Roland Bühler von der Robert Bosch GmbH: „Das ist ein großes Erfolgsmodell, das tatsächlich auch für Langzeiturlaube genutzt wird.“ Noch nicht so akzeptiert sei dies allerdings im Fall von Führungskräften. Einen klaren Kurs in dieser Hinsicht fährt die SAP AG: „Seit wir existieren, besteht bei uns Vertrauensarbeitszeit“, erklärte HR-Expertin Dr. Heidrun Kleefeld. Der Software-Konzern setze zudem auf selbstgesteuertes Lernen und alternsgerechtes Arbeiten, das sich an den Lebensphasen der Mitarbeiter orientiere. Dieser Prozess sei aber noch nicht abgeschlossen: „Wir versuchen weiter nachzusteuern.“

Trend von der Nachsorge zur Prävention

Einblick in den Status Quo und den künftigen Stellenwert des Handlungsfelds gesunde Arbeit gab Keynote-Speaker Prof. Dr. Jochen Prümper (HTW Berlin) auf Basis der aktuellen „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement“. Laut der Befragung vom November 2013 rangiere Gesundheitsförderung in den Unternehmen inzwischen vor der Reduzierung des Krankenstandes, was der Wissenschaftler als gutes Signal wertet „Der Trend geht von der Nachsorge zur Prävention.“ Die stärksten Zuwachsraten erwarteten die Befragten dabei für die alternsgerechte Arbeitsgestaltung, die derzeit noch wenig im Fokus stehe. Die Unternehmen begriffen langsam, dass die jungen Arbeitnehmer die Älteren von Morgen seien.

Mobile Bildschirmarbeit als arbeitsgestalterische Herausforderung

Angesicht der explodierenden Krankheitsquote bei psychischen Leiden täten die Unternehmen jedoch eindeutig zu wenig – obwohl das Arbeitsschutzgesetz ausdrücklich zur psychischen Gefährdungsbeurteilung verpflichte. Nicht die Arbeit an sich mache krank, sondern mangelnde Ressourcen, betonte Prof. Prümper. Eine große, ungelöste Herausforderung stelle dabei die mobile Bildschirmarbeit dar: Während die Zahl der Laptop-Nomaden kontinuierlich zunehme, sei die Frage, ob sich diese Arbeitsform als große Freiheit oder elektronische Fußfessel mit ungünstigen Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit erweise, aus arbeitsgestalterischer Sicht noch völlig ungeklärt.

Facility, HRM und IT gefragt

Auch die internationale Studie „Flexibles Arbeiten“ des Magazins health@work und BakkerElkhuizen, einem Spezialisten für Arbeitsplatzeinrichtung, bestätigt die zunehmende Verbreitung mobiler Arbeitsformen. Laut Erhebung nehme die Produktivität durch die bürounabhängigen Arbeitsformen um circa zwei Prozent zu, erläuterte Hugo Bos. Der Vorsitzende des Niederländischen Vereins für Ergonomie sieht in diesem Trend ebenfalls ein „heißes Thema“: Wenn Heimarbeit als reguläre Arbeitsform gelte, seien Unternehmer verpflichtet, auch das Homeoffice der Mitarbeiter ergonomisch auszustatten, erklärte Bos. Zum Beispiel sei die ungünstige Körperhaltung bei der Laptop-Arbeit, die nicht selten zu Nackenverspannungen führe, durch intelligentes Zubehör zu verbessern. Um eine befriedigende Lösung zu finden, müssten die vormals getrennten Unternehmensbereiche Facility, HRM und IT zusammenrücken. In jedem Fall notwendig sei die Beteiligung des Personalmanagements, betonte der Referent.

Ergonomische Innovationen in greifbarer Nähe

Wer konkrete Beispiele für eine innovative ergonomische Arbeitsplatzgestaltung wünschte, musste sich nur umsehen: Im Sonderbereich „Arbeitswelt der Zukunft“ konnte zum Beispiel die RollerMouse von Contour Design getestet werden, die den Cursor über einen zentralen Rollstab bewegt. „Dadurch entsteht eine weniger einseitige Belastung – besonders gut für Rechnersklaven“, erklärte General Manager Björn Rosander den Vorteil. Wie Akustikwürfel oder spezielle Wandverkleidungen den Schall in Räumen dämmen, erfuhren interessierte Besucher in zwei entsprechend präparierten Kabinen. Um Teamarbeit zu ermöglichen, gehe der Trend jetzt wieder in Richtung Großraumbüros. „Das derzeitige Hauptthema sind für uns deshalb Stellwände“, erklärte AOS Gebietsverkaufsleiter Andreas Schäfer.

Digitales BGM im Trend

„Der Markt verändert sich sehr schnell“, bestätigte Sascha Nießen, Geschäftsführer von HAWARD Partner. Derzeit seien 16 Dienstleister mit unterschiedlichen Spezialgebieten beim BGM-Netzwerk HAWARD vertreten. „Neu entwickelt sich digitales BGM“, kennzeichnete Nießen einen aktuellen Trend. „Smartphone-Besitzer blicken im Schnitt alle sechs Minuten auf ihr Handy – warum sollten wir diese Tools nicht für die Gesundheit nutzen?“, erklärte Harald Holzer den naheliegenden eHealth-Ansatz der vitaliberty GmbH. Das Programm moove, das gesundheitliche Prozesse inklusive Stress-Pegel abbildet, sei „BGM der neuen Generation“. Digital mache dabei nicht nur Spaß, sondern stelle durch die vollkommene Integration in den Alltag auch eine echte Option für Gesundheitsmuffel dar. „Auf moove können sich Männer und Manager, die häufig zu dieser Gruppe gehörten, vollkommen anonym bewegen“, kennzeichnete Geschäftsführer Holzer den springenden Punkt.

Roter Teppich für zögerliche Mitarbeiter

Auch bei machtfit, einer webbasierten Service-Plattform für Unternehmen zur einfachen Verwaltung und Abrechnung von Angeboten zur Gesundheitsförderung, spielt dieser Aspekt eine Rolle. „Durch die große Auswahl an Sportaktivitäten oder Präventionskursen von zertifizierten Gesundheitsanbietern, die Arbeitgeber über unsere Plattform anbieten und bezuschussen können, muss niemand im Sportdress unter den Kollegen antreten“, erklärte Geschäftsführer Philippe Bopp. Über das Portal, das an das Corporate Design des Unternehmens angepasst werde und auch zur Koordination interner Angebote genutzt werden könne, wählten Mitarbeiter stattdessen genau die Aktivität, die ihnen persönlich zusage. „Wir rollen den roten Teppich aus für die breite Masse in der Mitte, die nur einen geringen Anstoß braucht, um aktiv zu werden.“

Die Idee zu diesem Netzwerk entstand während eines Praktikums bei der Firma adidas. „Wir haben uns gefragt, wie weniger sportaffine Arbeitgeber es hinbekommen, ihren Mitarbeitern eine vergleichbar gute Gesundheitsförderung anzubieten.“ Im Rahmen des Masterstudiengangs Innovationsmanagement an der TU Berlin hätten die fünf Firmengründer dann einen Business Plan geschrieben und das Konzept präsentiert. Das war 2012 – heute hat machtfit 13 Festangestellte und rund 50 Kunden. „Ein großer Schritt nach vorn“, freut sich Bopp.

Cleverer Stuhl fordert zum Haltungswechsel auf

Auch in Bürostühlen sorgt clevere Technik für Innovation: „Wenn ich intensiv arbeite und dabei über eine halbe Stunde in einer Sitzposition verharre, gibt mir dieser Stuhl eine aktive Rückmeldung“, erklärte Fabian Hoger den Clou am Axia Smart Chair: Die patentierte Neuheit sei technisch schmal gehalten und insofern durchaus erschwinglich, so der Ergonomie-Berater von büromöbel Stuttgart. „Eine wirklich gute Idee für Menschen mit Rückenproblemen.“ Doch was wären all diese Instrumente ohne Rückendeckung aus der Führung und ohne nachhaltige Verankerung in der Unternehmenskultur? „Ein singuläres BGM ohne Wertebasis ist völlig losgelöst. Es dient allenfalls zur Unterhaltung und Bespaßung der Mitarbeiter“, erklärte Niels Gundermann, Geschäftsführer des Fürstenberg Instituts, eine gelebte Wertekultur zur unverzichtbaren Grundlage gesunder Organisationen. Dazu zählte er die Akzeptanz und das vorbildliche Verhalten bei den Vorgesetzten, ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine gute Konfliktkultur.

Ohne Wertebasis nahezu effektlos

Der Begriff Führungskraft besage, dass ein Vorgesetzter anderen Kraft geben solle – und nicht etwa Schwäche“, stieß Keynote-Speaker Dr. med. Walter Kromm ins gleiche Horn. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit funktioniere nur über Gefühle, über die Verbesserung der Beziehungen untereinander, betonte der Mediziner, der Führungskräfte in der Rolle des „Chief Emotion Officer“ sieht. „Arbeit ist eine soziale Erfahrung“, betrachtet auch Psychotherapeut Dr. Christian Lüdke die Berufstätigkeit als Beziehungsarbeit. Nur unlösbare Probleme machten psychisch krank, ergänzte der Keynote-Speaker. „Wir haben eine Gratifikationskrise – nicht nur monetärer Art“, brachte Prof. Prümper diese Problematik auf den Punkt.

Fortsetzung folgt am 19. und 20. Mai 2015

Eine zufriedene Bilanz zog Nadine Jäger, Projektleiterin der Messe, nach zwei erlebnisreichen Tagen: „Die Corporate Health Convention ist der Treffpunkt für das versierte Fachpublikum mit qualifizierten Anbietern und Experten zum Thema gesunde Arbeit.“ Wie die steigende und gereifte Nachfrage zeige, sei Betriebliches Gesundheitsmanagement als strategisches Handlungsfeld in den Unternehmen angekommen. Die Messe biete umfassende Unterstützung zum Auf- und Ausbau gesunder Organisationen – so etwa durch den sehr gut angenommenen 1. Demografietag oder den Gesundheitstag mit Workshop-Paketen. „In diese Richtung gehen wir weiter.“ Stichtag für die fünfte Corporate Health Convention ist am 19. und 20. Mai 2015 in Halle 8 der Messe Stuttgart – wieder in bewährter Kombination mit der Personalfachmesse PERSONAL2015 Süd.

"Foto Franz Pfluegl / Corporate Health Convention"

Über die Corporate Health Convention
Die Corporate Health Convention ist die Ausstellungs- und Vernetzungsplattform zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz. Auf der vierten europäischen Fachmesse für betriebliche Gesundheitsförderung und Demografie am 20. und 21. Mai 2014 in Stuttgart präsentierten 139 Aussteller ihre Produkte und Konzepte zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Das umfangreiche Programm umfasste insgesamt mehr als 70 Beiträge in Form von Keynote-Vorträgen, Fachreferate, Podiumsdiskussionen, Best Practice Beispielen und Gesprächsrunden. Nächster Termin ist am 19. und 20. Mai 2015 in Halle 8 der Messe Stuttgart.

Über spring Messe Management GmbH
spring Messe Management veranstaltet Fachmessen für Personalmanagement, Professional Learning, Corporate Health, Job and Career und den Public Sector. Langjährige Messe-Erfahrung, thematische Expertise und nachhaltige Kundenorientierung machen die Veranstaltungen von spring zu etablierten Branchenplattformen. spring-Fachmessen sind Seismographen für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Messe AG ist in vier Ländern vertreten: Deutschland, Österreich, Ungarn und Russland.

Pressekontakt:
Petra Jauch
Pressereferentin
Tel. +49 621 70019-206
E-Mail: p.jauch@messe.org

spring Messe Management GmbH
Güterhallenstraße 18a
68159 Mannheim
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