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Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil der Wertschöpfungskette von Papierhandtüchern

17.02.2014 von European Tissue Paper ETS

Die Branche setzt ihre Anstrengungen für nachhaltige Hygiene und Humangesundheit fort

Wenn man in einer Branche arbeitet, die Wälder als Basis für ihr Haupterzeugnis benötigt, denkt man natürlich langfristig. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Tissuepapier-Industrie, denn Bäume haben einen Lebenszyklus von 50 Jahren. Europa hat weltweit eines der fortschrittlichsten Forstwirtschaftssysteme und erfüllt eine Reihe von Nachhaltigkeitskriterien sehr gut. Es ist nicht das Ziel der Tissuepapier-Industrie, lediglich immer höhere Nachhaltigkeitsstandards für die Branche zu entwickeln, sondern vor allem auch, ein entscheidender Faktor für nachhaltige Hygiene und Gesundheit in Europa zu werden. Nachhaltigkeit muss zu einer Lebensweise werden.

Bevor ich auf die Initiativen der Branche eingehe, möchte ich unser Verständnis nachhaltigen Wirtschaftens erläutern. Nachhaltigkeit wird oft über drei Säulen definiert: sozial, ökologisch und wirtschaftlich. Dem schließe ich mich an, aber meine favorisierte Definition geht auf ein Harvard Seminar zurück, an dem ich vor ein paar Jahren teilgenommen habe: Führung und Verantwortung. Nachhaltigkeit kann nur gelingen, wenn sie umfassend im Kern eines Geschäftsmodells verwurzelt ist: Im Unternehmenszweck, in seiner Mission, seiner Strategie, seinen Werten und in dem Verständnis von Verantwortung. Nachhaltigkeit ist dadurch in der Unternehmenskultur verankert.
Unternehmerisches Handeln wird auf diesem Weg gleichermaßen wirtschaftlich, rechtlich und ethisch fundiert.
Wenn diese drei Kriterien in allen Aktivitäten erfüllt werden, kann eine Organisation legitimerweise das Attribut „nachhaltig“ für sich in Anspruch nehmen. Häufig werden aus ethischen Anforderungen im Laufe der Zeit rechtliche Anforderungen, da die Gesellschaft von den Unternehmen nachhaltiges Wirtschaften immer dringender einfordert.
Dies steht in enger Übereinstimmung mit dem Ziel der Brundtland-Kommission, die Nachhaltigkeitsbestrebungen zahlreicher Länder zusammenzuführen. Eine Entwicklung, die den Anforderungen der Gegenwart gerecht wird, ohne zukünftigen Generationen die Chance zu nehmen, ihre Bedürfnisse ebenfalls zu erfüllen.
Wie stellt sich die europäische Papierindustrie darauf ein?
Die Branche arbeitet in vielen Bereich kontinuierlich daran, die Nachhaltigkeit zu steigern. Dazu zählen Recycling, Regeneration, Transport, Wasser und Arbeitssicherheit. Neben einigen bereits etablierte Initiativen gibt es immer wieder spannende neue Projekte mit Modellcharakter für die Zukunft.

Zertifizierte Forstwirtschaft – notwendige Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit unserer Nachhaltigkeitsbestrebungen
Das ETS hat kürzlich eine Initiative im Bereich der zertifizierten Forstwirtschaft gestartet, auf die wir sehr stolz sind. Dabei handelt es sich um eine für die Industrie dringend notwendige Entwicklung. Sie stellt einerseits Vertrauen bei unseren direkten Kunden und bei den Verbrauchern her und wird andererseits auch gerade in Zukunft die Glaubwürdigkeit der Branche unterstützen.
Das ETS setzt sich dafür ein, Fasern aus nachhaltig und rechtskonform bewirtschafteten Wäldern zu nutzen. Wir ermuntern zum Einsatz von unabhängigen Zertifizierungen als sichtbaren Beleg dafür, dass Papierhersteller diese Anforderungen einhalten. Wir favorisieren dabei nicht ein bestimmtes Zertifikat, sondern wir unterstützen eine Vielzahl internationaler und nationaler Zertifizierungsstellen. Unsere Kunden begrüßen diese Zertifizierung von Fasern ausdrücklich. Wir befürworten eine nachhaltige Forstwirtschaft, die gleichermaßen auf verantwortungsvoller Forstwirtschaft, sozialer Verantwortung und wirtschaftlichem Augenmaß beruht. Zusätzlich unterstützen wir die Entwicklung von Standards, Leistungs-Parametern und kontinuierlicher Verbesserung forstwirtschaftlicher Ökosysteme am Vorbild von best practices.
Wir verwenden die Definition der „nachhaltigen Forstwirtschaft“, die 1993 auf der zweiten Ministerkonferenz zum Schutz der europäischen Wälder in Helsinki vereinbart wurde. Demnach wird nachhaltige Forstwirtschaft definiert als die „Verantwortung und Nutzung von Wäldern und bewaldeten Flächen in einer Form und in einem Ausmaß, das die Artenvielfalt, die Ertragsfähigkeit, die Regenerationsfähigkeit und die Lebenskraft erhält und das gleichzeitig ihr Potenzial schützt, heute und in Zukunft relevante ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, ohne dabei Schaden in anderen Ökosystemen zu verursachen.“
Das ETS begrüßt ausdrücklich auch die neue EU Holzrichtlinie, die 2013 in Kraft trat und die sicherstellt, dass innerhalb der EU28 nur Produkte aus rechtskonformer Forstwirtschaft gehandelt werden. Die ETS Mitglieder haben sich bereits seit einigen Jahren dazu verpflichtet, nur Fasern aus legalen und nachhaltigen Quellen zu verwenden.

Möglichkeiten für Recycling und Regeneration ausschöpfen
Mit einer Recyclingquote von über 70 Prozent im Jahr 2012 ist Europa weltweit führend im Papierrecycling. Diese Quote ist von lediglich 40 Prozent im Jahr 1995 auf 70 Prozent im Jahr 2012 angestiegen. Während sich der Papierkonsum heute auf dem gleichen Level wie 1998 bewegt, liegt die Recyclingquote also um 150 Prozent höher. In Europa werden Papierfasern durchschnittlich 3,5 mal recycelt, weltweit liegt dieser Wert lediglich bei 2,4. Das ETS ist Mitglied des European Recovered Paper Council, das sich verpflichtet hat, bis zum Jahr 2015 eine Recyclingquote von 70 Prozent in der EU, der Schweiz und Norwegen zu erreichen – eine Quote, die bereits jetzt erreicht ist und die damit deutlich höher liegt als in allen anderen Regionen der Welt.
Ich möchte hervorheben, dass Lebenszyklus-Studien belegen, dass nachhaltige Tissuepapier-Produkte sowohl aus recycelten als auch aus neuen Fasern hergestellt werden können. Jedes Produktions-Verfahren hat dabei seine eigenen Vor- und Nachteile. Experten haben Studien zur CO2-Bilanz von Toilettenpapier durchgeführt. Dabei wurde nachgewiesen, dass die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Fasertyp den ökologischen Fußabdruck nicht signifikant verändert. Unter dem Aspekt der Kohlenstoff-Emissionen ist demnach keiner der Fasertypen dem anderen ökologisch vorzuziehen.
Die absolute Umwelt-Bilanz hängt von zahlreichen Faktoren ab. So spielt der Standort der Mühle eine Rolle, aber auch die Nähe zu verfügbaren Fasern, die Energieversorgung und die Abfallverwertung. Für eine vollständige Betrachtung sollten alle diese Aspekte individuell bewertet werden. Genau aus diesem Grund sind wir Verfechter eines „Total Lifecycle“ Ansatzes, um die ökologische Wirkung unserer Produkte zu verstehen. Wir sind gegen ein isoliertes CO2-Label auf unseren Produkten, weil es nur einen einzigen ökologischen Aspekt misst und dadurch den Verbraucher leicht in die Irre führen kann. Daher verfolgen wir mit großem Interesse das EU Projekt, den ökologischen Fußabdruck von Produkten oder Organisationen zu etablieren, denn wir gehen davon aus, dass in dieser Betrachtung alle Umwelteinflüsse berücksichtigt werden und damit die Schwäche der isolierten CO2-Bilanz überwunden wird.
Dank ausgeklügelter neuer Technologien nutzt die Tissuepapier-Industrie in zunehmendem Maße recycelte Fasern für ihre Produkte, ohne dabei auf Weichheit, Papierstärke und Saugkraft verzichten zu müssen. Die Unternehmen entwickeln neue Produkte aus recycelten Fasern oder aus Fasern schnell wachsender Pflanzen und können dadurch Produkte anbieten, die denen aus Primärfasern sehr ähnlich sind.
Die neuesten Entwicklungen der Branche gehen in die Richtung, die Möglichkeiten zum Recycling von Papierhandtüchern auszuloten. Die Forschung dauert an, und sie könnte einige interessante Durchbrüche für unsere Branche bedeuten, mit denen wir einen zusätzlichen Beitrag zur führenden Rolle Europas im Papierrecycling leisten.

Müllvermeidung vorantreiben
Der effektivste Weg in der Müllverwertung ist die Müllvermeidung. Deshalb arbeiten die Papiermühlen in Europa mit großem Einsatz an der Müllvermeidung - in den Produktionsprozessen, beim Zuschnitt, wie auch bei der Nutzung von Maschinen und z.B. Gabelstaplern. Auch zur Vermeidung von Lager- und Transportschäden, die unvermeidlich zu Abfall führen würden, werden große Anstrengungen unternommen. Gleichzeitig werden saugfähigere Produkte entwickelt, von denen entsprechend weniger verbraucht wird.
Gewässerschutz ist eine globale Schlüsselaufgabe. In zunehmendem Maße setzen die Unternehmen der Tissuepapier-Industrie auf komplett geschlossene Wasserkreisläufe, auch wenn sie dies in den wasserreichen Ländern Nordeuropas unter Kostengesichtspunkten sorgfältig abwägen müssen.

Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz sicherstellen
Arbeitsplatzsicherheit ist eine Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit – und zugleich eine rechtliche und ethische Verpflichtung. Wenn die Mitarbeiter davon überzeugt sind, dass die Arbeitsplatzsicherheit beim Management höchste Priorität genießt, sind sie motiviert und leisten gute Arbeit. Werte und Praktiken, die optimale Sicherheitsstandards garantieren, sind nicht nur in der Tissuepapier-Industrie, sondern auch bei ihren Zulieferern fest verankert, und wir sind einigermaßen stolz auf unser hohes Sicherheitsniveau.

Was sind die nächsten Entwicklungen im Tissuepapier-Sektor?
Handelskunden und Konsumenten sind zunehmend sensibilisiert für die Notwendigkeit, sparsam mit Ressourcen umzugehen und diese langfristig zu erhalten. Sie erwarten daher auch eine kontinuierliche Reduzierung des Verpackungsmülls. Die Branchenunternehmen haben mehrere Initiativen gestartet, um ihre Produkte kompakter zu gestalten. Davon profitiert der Einzelhandel, da er weniger Regalfläche benötigt, und der Verbraucher, weil auch er weniger Stauraum benötigt. Jumborollen mit der doppelten Länge einer Standard-Rolle, die die Verpackungs-, Lager- und Transportkosten reduzieren, sind bereits seit einigen Jahren verfügbar und etablieren sich immer öfter auch als Eigenmarken.
Das ETS hat Transport-Studien durchgeführt, in denen die LKW-Ausnutzung und die Möglichkeiten zur Ladungs-Optimierung analysiert wurden, um Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz möglichst zu erhöhen. Und die Branche lässt es damit nicht genug sein. Wir prüfen die Verwendung von Recycling-Plastik für die Herstellung von Verpackungsfolien, um sicherzustellen, dass wir uns auf jeder Stufe des Produktionsprozesses der ökologischen Wirkung bewusst sind.
Mit Sicherheit wird unsere Branche auch in der Zukunft die Grenzen der Wiederverwendung von Rohstoffen immer weiter ausdehnen und damit die bereits heute exzellenten Lösungen noch übertreffen. Ich bin mir sicher, dass wir eine immer effizientere und effektivere Papier-Produktion und –Verarbeitung entwickeln werden. Vielleicht werden die Maschinen kompakter, so dass sie näher am Endkunden platziert werden können.
Ich habe auch die Hoffnung, dass wir bei der Reduzierung unseres Energie-Abfalls Fortschritte machen, mehr erneuerbare Energien einsetzen und die Transportwege unserer Produkte verkürzen können. Im Bereich der Windenergie liegt ein vielversprechender neuer Ansatz darin, Windräder in den Wäldern auf Hügeln zu platzieren, mit großem Abstand zu menschlicher Besiedlung und in einkommensschwachen Regionen.
Mein Traum ist natürlich, dass zukünftige Technologien unseren Planeten mit preisgünstiger, ökologisch unbedenklicher Energie in praktisch unbegrenzter Menge versorgen können. Dies würde es uns ermöglichen, die ideale Toilettenpapier-Rolle zu entwickeln: sanft, saugstark, resistent, sehr lang, attraktiv gemustert, produziert aus recycelten Fasern und zu einem Preis, der sie für die große Mehrheit der Menschen zugänglich macht.
Was unsere Branche im Hinblick auf Nachhaltigkeit bereits erreicht hat, weckt meine Begeisterung. Die Erfahrung, wohin Innovationskraft und der feste Wille, immer noch besser zu werden, führen können, macht mich optimistisch für die Zukunft. Trotzdem wollen wir nicht selbstzufrieden werden. Die europäische Papiertissue-Industrie versteht es als ihre Aufgabe, Menschen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen, indem sie Hygieneprodukte bereit stellt, die die menschliche Gesundheit optimal fördern. Wenn wir nicht zu ständigen Verbesserungen - oder mindestens zur Absicherung unserer erreichten Qualitätsstandards - fähig wären, könnten wir das Attribut „nachhaltig“ nicht für uns beanspruchen.

Über ETS
ETS (European Tissue Paper) ist der Branchenverband der europäischen Hersteller von Papiertüchern. Die Mitglieder des ETS repräsentieren die Mehrheit dieser Unternehmen in Europa und etwa 90 % der europäischen Tissuepapier-Produktion. Der ETS wurde 1971 gegründet und hat seinen Sitz in Brüssel, Belgien. Mehr Informationen erhalten Sie auf: http://www.europeantissue.com/position-papers/position-papers/environment/

Pressekontakt:
duomedia, Lut Verschueren, Tel.: +32 2 560 21 50, lut.v@duomedia.com

ETS, Roberto Berardi, Tel.: + 39 011 8128810, roberto.berardi@europeantissue.com

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