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Ein Medizinprodukt ist kein Big Mac

19.11.2012 von AUSTROMED

AUSTROMED fordert weg vom Billigstbieterdenken, hin zur optimalen Versorgung für alle und verstärktes Qualitätsdenken im Sinne der Patientensicherheit

Einen Big Mac kann man fast überall auf der Welt in standardisierter Größe, Zusammensetzung und Qualität kaufen. Diese Tatsache macht es zulässig, den sogenannten "Big Mac-Index" zu erheben. Nicht zulässig ist es aber, einen derartigen Index auf die Medizinprodukte-Branche umzulegen und die Preise in Österreich eins zu eins mit denen anderer Länder zu vergleichen. "Preise anderer Länder beinhalten oftmals keine Value Added Services wie zum Beispiel Aus- und Weiterbildungen oder Logistikleistungen. In Österreich sind aber gerade diese Leistungen von großer Bedeutung", erklärt Mag. Friedrich Thomasberger (Präsident AUSTROMED).

Preis versus Preis/Leistung
Dennoch werden andere Länder von den heimischen Einkäufern als Preis-Benchmark herangezogen. Dies erfolgt vor allem durch die Aktivitäten ausländischer Einkaufsgemeinschaften, welche aufgrund ausgereizter heimischer Märkte nach Österreich expandieren. Dabei muss betont werden, dass die Grundpreise in Österreich bei vielen Produkten niedriger sind als im benachbarten Ausland und es weitaus sinnvoller wäre, bevor Preise verglichen werden, zu hinterfragen, welche zusätzlichen Leistungen eines Unternehmens darin inkludiert sind.
Man stelle sich vor, dass eine Hüftprothese erforderlich ist, das Klinikpersonal jedoch nicht ausreichend geschult wurde, um diese zu verwenden. Ein solches Szenario ist in Österreich nicht vorstellbar, da heimische Medizinprodukte-Unternehmen neben der reinen Warenlieferung laufend Schulungen, Beratungen und Einweisungen für die jeweiligen Produkte bieten, die weit über die Verpflichtung des Medizinprodukte-Gesetzes (MPG) hinausgehen.
Dies gewährleistet nicht nur die richtige Anwendung der unterschiedlichen Produkte, sondern vor allem auch die Sicherheit der Patienten. Ebenso bilden derartige Zusatzleistungen einen wesentlichen Mehrwert und tragen zur Erhaltung des hohen Standards im österreichischen Gesundheitswesen maßgeblich bei. Notwendig und wichtig sind Produktschulungen u.a. bei der kommenden Umstellung auf Sicherheitsprodukte (Stichwort: Nadelstichverordnung).

Negativer Trend: Billigbieter statt Bestbieter
Seit geraumer Zeit lässt sich erkennen, dass es eine Neupositionierung im Einkauf von Medizinprodukten gibt. Diese neue Form der Organisation des Einkaufs, die hier umgesetzt wird, macht bereits jetzt vielen KMU zu schaffen. Konkret geht es unter anderem um Ausschreibungsbedingungen, die es für österreichische Medizinprodukte-Unternehmer immer schwieriger machen, an Ausschreibungen der Krankenhaus-Holdings teilzunehmen. Diese Situation ist aber weder im Interesse der Holdings noch in jenem der Patienten, weil durch die fehlende Flexibilität eines gesunden Lieferantenmix die Versorgungssicherheit der Patienten immer weniger gegeben ist.

Die AUSTROMED fordert daher, weg vom Billigstbieterdenken, denn der Billigstbieter ist in den wenigsten Fällen auch der Bestbieter. Es nützt nichts, en gros einzukaufen und dann möglicherweise mit dem Produkt nicht zufrieden zu sein. "Der Preis darf dabei nur eine Komponente sein, aber
nicht die wichtigste", so Thomasberger. Die verstärkte Einbindung heimischer Unternehmen hat auch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Die Wartung und Servicierung von medizinischen Geräten funktioniert naturgemäß wesentlich besser und schneller.

Wirtschaftsfaktor Medizinprodukt
Der Medizinprodukte-Standort Österreich sichert eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung in Österreich. Jeder Euro an Produktion der AUSTROMED Mitgliedsunternehmen generiert einen weiteren Euro an Produktion in Österreichs Wirtschaft. Der so ermittelte Produktionswert beläuft sich damit auf mehr als 3,4 Milliarden Euro. Ähnlich verhält es sich mit den geschaffenen Arbeitsplätzen: Je ein Beschäftigter innerhalb der AUSTROMED-Mitglieder sichert indirekt mehr als einen weiteren Arbeitsplatz in Österreichs Wirtschaft. In Summe sind das rund 20.000 Arbeitsplätze. Die Chancen und Jobaussichten in der Medizinprodukte-Branche können als positiv bewertet werden.

Problem Einkauf im Ausland
Wenn vermehrt im Ausland eingekauft wird, werden Firmen in Österreich unter Umständen die Notwendigkeit sehen, ihre Strategie zu ändern und Geschäftsfelder auszulagern – was einen Verlust an Arbeitsplätzen bedeuten würde. Wobei die Entwicklungen, wie zusätzliche Abgaben, Grauimporte und der stetige Preisdruck, der Branche nicht zuträglich sind. Eine Forderung der AUSTROMED ist, dass die Lohnnebenkosten gesenkt werden müssen, damit der Standort Österreich wettbewerbsfähig bleibt.

Ein weiterer, wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, dass die Produkte und Dienstleistungen der Medizinprodukte-Unternehmen zu kürzeren Krankenhausaufenthalten, kürzerer Heilungsdauer und zu verbesserten Prozessen führen. Das heißt, es werden Ressourcen gespart bzw. effizienter eingesetzt. Viele Interventionen, die früher langer Krankenhausaufenthalte bedurften, werden heute tagesklinisch oder ambulant durchgeführt. Innovative Produkte und Verfahren verkürzen die Heilungsdauer und damit Krankenstände. Dadurch wird das Gesundheitswesen massiv entlastet.

Medizinprodukte sind unverzichtbar für das Leben
Ohne Medizinprodukte wäre eine moderne medizinische Versorgung nicht möglich. Medizinprodukte bilden einen fixen Bestandteil unseres täglichen Lebens und sind ein wesentlicher Grundpfeiler der heutigen Medizin. Ein Pflaster oder ein Herzschrittmacher sind nur zwei von über 400.000 Medizinprodukten, die in der medizinischen Diagnostik, Behandlung und Prävention eine wesentliche Rolle spielen. Auf gesellschaftlicher Ebene steht das Solidaritätsprinzip im Vordergrund, d.h. im Bedarfsfall soll jeder Bürger unabhängig von Einkommen und sozialem Status Anspruch auf die notwendige Gesundheitsversorgung haben.
"Es geht um die bestmögliche Qualität der Gesundheitsversorgung unter Wahrung der menschlichen Würde und der Wahlfreiheit jedes einzelnen. Um die kostengünstige Versorgung mit Gütern und Diensten zu gewährleisten, müssen die verfügbaren finanziellen Mittel nicht nur effektiv, sondern auch effizient eingesetzt werden", erklärt Thomasberger.

Die AUSTROMED-Mitglieder setzen sich dafür ein, dass allen Menschen eine optimale Versorgung mit Medizinprodukten ermöglicht wird und diese als "Grundrecht" für alle zugänglich sind. So fordert die AUSTROMED auch eine deutliche Transparenz bei der Erstattungsfähigkeit von Medizinprodukten – konkret die Schaffung einer klar niedergeschriebenen und publizierten Verfahrensordnung zur Erlangung der Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen. Des Weiteren ist es den Medizinprodukte-Unternehmen ein großes Anliegen, dass den Patienten ein rascher Zugang zu modernsten Therapien und medizinischen Neuentwicklungen ermöglicht wird.

Produktinnovationen durch Forschung und Entwicklung
Forschung und Entwicklung spielen in der Medizinprodukte-Branche schon immer eine bedeutende Rolle. Mit der Entwicklung neuer Gesundheitslösungen sowie der Weiterentwicklung bewährter Produkte tragen Medizinprodukte-Unternehmen wesentlich zum medizinischen Fortschritt bei und setzen maßgebliche Innovationsimpulse. Durch die starke Innovationskraft der Branche sind hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards garantiert. Das dient nicht nur dem Wohle der Patienten, sondern führt auch zu innovativen Behandlungsmethoden und schneller Heilung und hilft dadurch Kosten zu sparen, beispielsweise durch kürzere Krankenhausaufenthalte.

Ausbildung als Grundstein für Patientensicherheit
Dafür und auch für den Vertrieb der Produkte sind bestens ausgebildete und hochqualifizierte Mitarbeiter erforderlich, die nicht nur Kompetenz für das Unternehmen im Kontakt mit den Kunden bedeuten, sondern letztlich wieder die Sicherheit der Patienten und der Anwender garantieren. Außendienstmitarbeiter von Unternehmen der heimischen Medizinprodukte-Branche stehen ihren Kunden nicht nur beratend zur Seite und wickeln den Verkauf der Ware ab, sondern bieten auch begleitende Serviceleistungen, wie z.B. Fallbesprechungen vor operativen Eingriffen, Erarbeitung von Therapiekonzepten, Bereitstellung von zertifizierten Wundmanagern, indirekte Mitarbeit bei interoperativen Prozessen oder der Auswahl des geeigneten Implantatsystems gemeinsam mit dem Operateur.

Die AUSTROMED garantiert mit einer eigenen Akademie für eine qualifizierte Ausbildung zum Beispiel von Medizinprodukteberatern. Die Aus- und Weiterbildungsseminare der AUSTROMED Akademie befähigen die Absolventen dazu, die allgemein gehaltenen Anforderungen des "Medizinprodukteberaters" im Medizinproduktegesetz hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und des medizinischen Basiswissens in vollem Umfang zu erfüllen. Die im Rahmen der Akademie angebotenen Seminare und Workshops ergänzen damit die jeweiligen unternehmenseigenen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Denn nur die Kombination aus theoretischer Ausbildung im Rahmen der AUSTROMED Akademie und praktischer Produktkenntnis machen einen Medizinprodukteberater im Sinne der Definition des Medizinprodukte-Gesetzes aus.

Über AUSTROMED
AUSTROMED ist die Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, die in der Produktion, der Aufbereitung und dem Handel von Medizinprodukten in Österreich tätig sind. Medizinprodukte reichen vom Herzschrittmacher über das Hüftimplantat bis hin zum Pflaster. Aufgrund der hohen Innovationskraft werden ständig neue Produkte entwickelt. Rund 100 Mitgliedsunternehmen beschäftigen ca. 9.000 Mitarbeiter und die Wertschöpfung beträgt über 1,6 Mrd. Euro.

Rückfragehinweis
Mag. Gracia Geisler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
T +43(0)1/877 70 12-13 gracia.geisler@austromed.org

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Die A.S.K. Infektionsschutz Mappe wurde von HYGline GmbH hygiene issues & management entwickelt. Ziel ist es, Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens – insbesondere den Alten- und Pflegeeinrichtungen – einen raschen Überblick über alle notwendigen Maßnahmen im Anlassfall zu geben.
In der Mappe befinden sich wertvolle Unterlagen, die sowohl an das medizinische Personal als auch an die Betroffenen und deren Angehörigen gerichtet sind.
Informationen unter: +43 (1) 280 20 88; office@hygline.at