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Neues aus der Gesundheitswirtschaft

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Neue Ansätze zur Versorgung älterer Menschen mit Behinderung

22.08.2011 von Leipziger Messe GmbH

Gesamtkonzept des Freistaates Sachsen auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG vorgestellt

Die Zahl pflegebedürftiger älterer Menschen mit Behinderung wird in Deutschland in den kommenden Jahren steigen. Allein im Freistaat Sachsen wird sie sich nach Angaben des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen bis 2025 fast verfünffachen. Um Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, sind stationäre und ambulante Pflegeanbieter sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe vor neue Herausforderungen gestellt. Der Freistaat Sachsen hat ein ‚Gesamtkonzept zur Versorgung älterer Menschen mit Behinderung’ entwickelt, das am 27. September 2011 auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG erstmals der Öffent-lichkeit präsentiert wird. Auf dem Managementkongress der Fachveranstaltung wird das Konzept diskutiert und das Thema Pflege und Behinderung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

"Bis 2025 werden in Sachsen mindestens 5.100 Über-65-jährige pflegebedürftige Menschen mit Behinderung leben. Zurzeit sind es rund 1.100, von denen die meisten stationär betreut werden", erklärt Reiner Henze vom Kommunalen Sozialverband (KSV) Sachsen. Von der wachsenden Zahl älter werdender Menschen mit Behinderung seien die Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie Pflegeanbieter in ihrer bisherigen Form überfordert.

Um diese Herausforderung zu meistern, hat eine Arbeitsgruppe des Landespflegeausschusses des Freistaates Sachsen unter Federführung des KSV ein "Gesamtkonzept zur Versorgung älterer Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen" entwickelt. Ziel des, im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung erarbeiteten, Papiers sei ein selbstbestimmtes Leben, möglichst lange in den eigenen vier Wänden, so Henze: „Sachsen ist das erste Bundesland, in dem sich Leistungserbringer, Leistungsträger – Pflegekassen und Sozialhilfeträger – sowie Sozialministerium auf gemeinsame Grundprinzipien und Handlungsempfehlun-gen verständigt haben."

Am 27. September wird der KSV das Konzept auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG vorstellen (Managementkongress, Themenkomplex Pflege und Behinderung, Teil 1, ab 9.00 Uhr).

Bezahlbarer Wohnraum und mehr Freizeitangebote

"Vor allem brauchen wir geeigneten bezahlbaren Wohnraum, der die technischen Voraussetzung für eine behindertengerechte Pflege bietet", unterstreicht Reiner Henze. Deshalb empfehle das sächsische Konzeptpapier die Gründung einer Arbeitsgruppe des Landespflegeaus-schusses mit sächsischen Wohnungsanbietern. "Wir haben die Wohnungsanbieter zu unserem Forum auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG eingeladen", so Henze (Pflege und Behinderung, Teil 2, Forum zum Konzept zur Bereitstellung von Wohnraum, ab 11.00 Uhr).

Zudem sollten sich Seniorenclubs oder Freizeitanbieter dem Personenkreis der pflegebedürftigen älteren Menschen mit Handicap stärker öffnen. "Um am Leben in der Gemeinschaft teilzuhaben, brauchen sie entsprechende Angebote", erläutert Henze. Dazu müssten "Vorbehalte in den Köpfen" und Scheu abgebaut werden.

Kooperationen eingehen und neue Geschäftsfelder erschließen

"Pflege und Behindertenhilfe haben sich in den vergangenen Jahrzehnten getrennt weiterentwickelt", konstatiert Frauke Hennings, Organisationsberaterin der Management- und Unternehmensberatung contec GmbH. Über lange Zeit habe es in Deutschland keine normale Alters-verteilung von Menschen mit Handicap gegeben – eine Spätfolge des unter der Bezeichnung "Euthanasie" vollzogenen nationalsozialistischen Mordprogramms. Jetzt aber erreiche die Generation von Menschen mit Behinderung ein höheres Lebensalter, die nach dem Dritten Reich ge-boren wurde. "Über 50 Prozent der Menschen mit Behinderung sind heute älter als 55 Jahre", so Hennings. Im Vergleich zu älteren Menschen ohne Behinderung seien vor allem bei Menschen mit geistiger Behinderung die Wahrnehmungsfähigkeit, Handlungskompetenz und Äußerungsmöglichkeit oft eingeschränkt.

Den fachlich-pflegerischen Stand von Einrichtungen der Behindertenhilfe beleuchtet die contec-Studie "Pflege für ältere Menschen mit Behinderung". Auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG wird Frauke Hen-nings über Ergebnisse der 2010 durchgeführten Untersuchung informie-ren (Pflege und Behinderung, Teil 3, 14.30 Uhr). "Die Einrichtungen wissen, dass die pflegerische Herausforderung steigt, haben bislang aber noch nicht ausreichend mit der Einstellung von Fachpersonal und entsprechenden Konzepten reagiert", sagt Hennings. Angesichts des Fachkräftemangels seien zum Beispiel Kooperationen mit Pflegeinstitu-tionen gefragt, zudem ließen sich Fachpflegekräfte als kompetente Berater einsetzen. Neue Geschäftsfelder ließen sich laut Hennings für ambulante Dienste im Bereich Eingliederungshilfe erschließen – darunter Hilfeleistungen im Haushalt, Unterstützung und Pflege für Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung: "Ein Zukunftsmarkt, der noch lange nicht erschöpft ist."

Programm Pflege und Behinderung

Der Themenkomplex Pflege und Behinderung am 27. September 2011 ist Teil des Managementkongresses der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG, welcher aktuelles Wissen für Entscheider und Leitungspersonal vermittelt. Die Teilnehmer erhalten im Rahmen der freiwilligen Registrierung beruflich Pflegender für den Kongress der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG 2011 sechs Punkte (Tagesticket) beziehungsweise drei Punkte (Halbtagesticket). Interessierte können sich bis zum 8. September online anmelden. Das Programm Pflege und Behinderung:

09.00 bis 10.30 Uhr: Teil 1
Partner: Kommunaler Sozialverband (KSV) Sachsen
Die Schnittstelle Eingliederungshilfe und Pflege im Blickwinkel der UN-Behindertenrechtskonvention (Dr. Edna Rasch, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.)
Das Gesamtkonzept zur Versorgung älterer Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen (Andreas Werner, KSV)

11.00 bis 12.30 Uhr: Teil 2 (parallele Foren)
Partner: Kommunaler Sozialverband (KSV) Sachsen

Forum 1: Wie kann ein Konzept zur Bereitstellung von ausreichendem und geeignetem Wohnraum für ältere behinderte und pflegebedürftige Menschen in Sachsen ausgestaltet werden?
Die altenfreundliche Wohnung als Lebensort von Pflegebedürftigen und von Menschen mit Behinderungen
Forum 2: Wie kann die Versorgung und Teilhabe älterer behinderter und pflegebedürftiger Menschen fester Bestandteil der integrierten kommunalen Sozialplanung werden und eine vernetzte Infrastruktur entstehen?

14.30 bis 16.00 Uhr: Teil 3
Pflege für ältere Menschen mit Behinderung: Darstellung des Status quo in Einrichtungen der Behindertenhilfe
Pflege in Einrichtungen der Eingliederungshilfe – Qualitäts- und Know-how-Transfer aus der klassischen Pflege
Neue Geschäftsfelder aus dem Bereich der Eingliederungshilfe für ambulante Dienste (Frauke Hennings, contec GmbH)

Hintergrund: PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG 2011

Die Fachmesse ist die einzige Fachveranstaltung in Deutschland, die alle Kernbereiche der professionellen Pflege, Betreuung und Homecare-Versorgung gleichwertig anspricht. Mit der Kombination aus Fachmesse und Kongress bietet die PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG für Management und Fachpersonal den wichtigsten Branchentreff im Herbst. Der begleitende Kongress gehört zu den größten Fortbildungsveranstaltungen des Gesundheitswesens in Deutschland. 2.100 Kongressteilnehmer nutzten 2009 das Angebot von mehr als 100 Veranstaltungen mit 250 Referenten. 311 Produktanbieter, Dienstleister sowie Verbände und Institute präsentierten sich in der Fachausstellung.


Ansprechpartner für die Presse:
Maren Lesche, Pressereferentin
Telefon: +49 (0)341 / 678 81 88
Telefax: +49 (0)341 / 678 81 82
E-Mail: m.lesche@leipziger-messe.de

Weitere Informationen:
www.pflege-homecare.de

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