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Wie gelingt die integrative Gesundheitsversorgung?

23.05.2017 von Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen Betriebsges.m.b.H.

+++ Ärztetagung: Qualitätsdialog Radontherapie +++

Ende April fand im Gasteinertal auf Einladung des Gasteiner Heilstollens und des Gesundheitszentrums Bärenhof zum vierten Mal eine Ärztetagung zur Radontherapie statt. Gut 50 Teilnehmer befassten sich mit wichtigen Fragen rund um die integrative Gesundheitsversorgung. Dabei rückte vor allem die psychische Gesundheit der Patienten in den Fokus. Zudem gab es viel Raum für erfolgreiche Rehabilitationsprogramme, die nachhaltige Erfolge verzeichnen.

Mentale Gesundheit stärken
Dr. med. Sebastian Edtinger vom Gesundheitszentrum Bärenhof begann seinen Vortrag, in dem er unter anderem auf die Zunahme psychischer Erkrankungen und psychisch bedingten Krankenständen hinwies. Diese spiegle sich auch in den Wünschen und Erwartungen der Patienten wider, die im Rahmen der Kur lernen möchten, wie sie besser mit seelischen Belastungen und Stress umgehen können. Darüber hinaus wollen sie lernen, wie sie sich besser entspannen und im Alltag achtsamer leben können. Der Bärenhof reagiere darauf mit Vorträgen zur Stressbewältigung und Achtsamkeit sowie durch praktische Einheiten wie progressive Relaxation, autogenes Training, QiGong oder Traumreisen. Danach stellte Edtinger Gesundheitsprogramme vor, in die der Bärenhof eingebunden ist und die langfristige positive Effekte erzielen würden. Dazu gehören die Programme „Gesundheitsvorsorge Aktiv“, Fit2work Nachhaltigkeitssteigerung, integrative Maßnahmen sowie eine intensive Kommunikation mit den ärztlichen Zuweisern.

Darauf aufbauend widmete sich Mag. Barbara Fröschl von der Gesundheit Österreich GmbH in ihrem Vortrag dem Programm „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA). Dessen Ziel ist die wissenschaftliche Evaluierung des medizinischen Leistungsprofils bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Die GVA schließt sich an das für alle Patienten gleiche Basismodul an. Patient und zuständiger Kurarzt entscheiden dann gemeinsam, ob der Fokus stärker auf Ernährung, Bewegung oder mentaler Gesundheit liegen soll. Die Schulungen und Kureinheiten werden dementsprechend individuell angepasst, wobei wesentlich sei, dass statt vieler passiver Therapien die aktiven vermehrt gefördert werden. Für die wissenschaftliche Evaluation wurden Personen, die eine GVA in Anspruch nahmen, der Kontrollgruppe verglichen, die eine Kur ohne GVA machten. Fröschl präsentierte erste Ergebnisse der Untersuchung. So erhöhte sich bei der Interventionsgruppe die „Selbstkompetenz Ernährung“ sowie der mentale Gesundheitszustand der Patienten signifikant. Keine Veränderung im Vergleich zur Kontrollgruppe gab es beim Themenfeld „Selbstkompetenz Bewegung“, die in der bisherigen Behandlungsvariante auch schon eine starke Rolle spielt und gute Ergebnisse liefert. Die aktuelle Evaluierung bestätige bekannte Ergebnisse hinsichtlich der psychischen Beeinträchtigungen von Patienten, die ein somatisches Heilverfahren absolvieren. Laut DRV-Bund seien 40 Prozent der somatischen Reha-Patienten auch psychisch beeinträchtigt, 20 Prozent sogar behandlungsbedürftig. Deshalb käme dem Angebot einer psychischen Betreuung im Rahmen der GVA besondere Relevanz zu. Fazit: Zukünftig sollen die medizinischen Leistungsprofile überarbeitet und die Kompetenz im Bereich Bewegung gestärkt werden. Der mentale Teil zur Verbesserung im Bereich der Angst und Depression soll intensiviert werden.

Adäquat auf Erschöpfungssyndrome reagieren
Mit seinem Vortrag „Screening und Umgang mit Erschöpfungssyndromen“ brachte Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Lalouschek, MSc und Facharzt für Neurologie, den Gästen die medizinischen Hintergründe psychischer Erkrankungen näher. Auch er betonte welche Relevanz sie heute im Rahmen der Gesundheitsversorgung hätten. Immerhin seien sie einerseits die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit und anderseits für 30 Prozent der Frühpensionen verantwortlich. Lalouscheck stellte Symptome, Entstehungsbedingungen sowie Schwierigkeiten beim Erkennen der Krankheit vor und erklärte wie Gefährdungen zu erkennen sind. Im Anschluss beantwortete er die Frage, was im Rahmen eines Kuraufenthalts getan werden kann. So sei es wichtig, die Gesundheit und Regeneration als Grundstein zu fördern, aber auch gemeinsam sinnvolle Maßnahmen nach dem Aufenthalt wie beispielsweise das Klären von Konflikten oder eine veränderte Arbeitsgestaltung zu besprechen. Darüber hinaus kann die Kur wichtige Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung geben und eine salutogene Lebenshaltung fördern.

Dir. Gerhard Witthöft von der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd ergänzte vorangegangene Vorträge indem er Rehabilitationsmaßnahmen aus Deutschland vorstellte. Er unterstrich die Wichtigkeit frühzeitiger Rehabilitationsmaßnahmen, die sich passgenau nach den Bedürfnissen der Patienten richten. Als Beispiel stellte er das Präventionsprogramm Betsi (Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern) vor. Es kombiniert einen einwöchigen stationären Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik mit berufsbegleitenden Trainingseinheiten in einem beschäftigungsortnahen ambulanten Reha- oder Trainingszentrum. Letzteres findet in einem Zeitraum von drei Monaten statt. Anschließend erfolgt innerhalb eines halben Jahres ein Training in Eigenregie des Patienten. Das Programm endet mit einem zweitägigen Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik, in der Betsi begonnen wurde. Darüber hinaus stellte er die „Verhaltensmedizinisch orthopädische Rehabilitation“ sowie „Medizinisch-beruflich-orientierte Rehabilitation (MBOR)“ vor.

Diskussion: Schnelle Schnittstellen und mehr Achtsamkeit in der
Behandlung

„Wenn der Pensionsantrag einmal gestellt ist, ist es für die Reha zu spät“, zitierte Moderator und Gastgeber Dipl.-Ing. Christoph Köstinger, Geschäftsführer Gasteiner Heilstollen und Bärenhof eine Praktikerin von einer Sozialversicherung. Damit stand die Frage, wie und an welchen Stellen man psychischen Interventionsbedarf rechtzeitig erkennen könnte, im Vordergrund der Diskussion. Die versammelten Ärzte sahen in der Praxis viele Möglichkeiten, vermissten aber schnelle, durchgängige Leistungsketten. Zudem sahen die Teilnehmer Defizite in der psychotherapeutischen Versorgung und dem Zugang zu dieser.
Prof. Lalouschek brach dabei eine Lanze für mehr Achtsamkeit. Er sieht im Gesundheitssystem zu wenig Raum für einfache Fragen. Für ein „Wie geht es Ihnen?“ sei zu wenig Zeit. Ein Problem, dass auch im Kurwesen und der Rehabilitation auftrete. Dennoch sei Leistungsdichte – häufig von den Kostenträgern vorgegeben – nicht alles. Es müsse bewusst mehr Raum für die Menschen geschaffen werden. „In der Diskussion wurde zudem die Qualität der Information an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Leistungsträgern im Gesundheitssystem als Wechselspiel zwischen zu viel Bürokratie und zu wenig wesentlicher Information bemängelt“, beschreibt Köstinger. „Es wurde deutlich, dass die Frage der Vergütung dieser Leistungen eine wesentliche Rolle spielt und damit oft die Übergabe an der Schnittstelle ‚zur Nebensache‘ macht.“

Überblick Radontherapie
Zu Beginn des zweiten Teils der Ärztetagung gab Mag. Dr. scient. med. Martin Gaisberger von der Paracelsus Medizinische Privatuniversität einen wissenschaftlichen Überblick zur Studienlage der Radontherapie. Damit knüpfte er an einen Vortrag von Univ.-Doz. Dr. med. Bertram Hölzl, wissenschaftlicher Leiter des Gasteiner Heilstollens, vom Vortag an. Darin stellte Hölzl die Anwendungsmöglichkeiten der Radontherapie im Heilstollen den anwesenden Gästen vor. Die Kur- und Balneotherapie mit niedrig dosierter radioaktiver Strahlung gilt bei schmerzhaften inflammatorischen und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates als bewährte Therapieform. Hölzl ging zunächst auf die klinischen Aspekte des Radons ein und wiederholte für die Teilnehmer die physikalischen und chemischen Grundlagen des radioaktiven Edelgases. Im Anschluss stellte er das therapeutische Wirkprinzip des Radons vor. Er legte dar, dass die Radontherapie bestimmte Regulationsmechanismen aktiviert, die Apoptose erhöht und die Substanz P downreguliert. Die Zahl der endogenen Endorphine stiege ebenso an wie der Serotoninstoffwechsel. Zudem würde Radon das Zytokin TGF-beta aktivieren, die DNA-Reparatur verbessern und freie Radikale vermindern. Auch auf die Strahlenbelastung, die bei einer kompletten Heilstollenkur bei etwa 1,8 mSv liegt, ging Hölzl ein. Den Abschluss der Ärztetagung machte Sabine Leimlehner vom Gasteiner Heilstollen. Sie gab den anwesenden Ärzten noch einen Überblick über Kostenübernahme und Vertragsstatus in Österreich und Deutschland bei den verschiedenen Indikationen bei ambulanter und stationärer Rehabilitation.

Bildunterschrift: v.l.n.r.: DI Christoph Köstinger (GF Gasteiner Heilstollen und Gesundheitszentrum Bärenhof), Dr. med. Sebastian Edtinger (Chefarzt Gesundheitszentrum Bärenhof), Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Lalouschek (The Tree, Integratives Gesundheitszentrum), Mag. Barbara Fröschl (Gesundheit Österreich GmbH), Gerhard Witthöft (Direktor Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd) © Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen

Pressekontakt
Robst PR - Romy Robst
robst@robst-pr.de
Tel.: +49(0)5085/98171-02
Direktkontakt
Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen - Sigrid Bader
sigrid.bader@gasteiner-heilstollen.com
Tel.: +43 (0)6434/753-226

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